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Videotipp: Genesis Live 1973!

Videotipp: Genesis Live 1973!

Hier ein Videotipp eines Konzerts von Genesis am 10.01.1973 in Paris. Ein klanglich, bild-technisch und musikalisch toller Rückblick in die Geschichte dieser großartigen Band. Und in der „einzig wahren“ Besetzung…

Quelle: https://www.youtube.com/channel/UCPJ6zgKXZIAOdkMM-yqMgYQ

Fortschrittsbericht der Restauration: Thorens TD 124/II mit Miniconic-Abtastkombination – Teil 3

Fortschrittsbericht der Restauration: Thorens TD 124/II mit Miniconic-Abtastkombination – Teil 3

Miniconic – ein Tonabnehmer „neuen Stils“

von Joachim Bung

Die amerikanische Miniconic-Abtastkombination ist heute so selten, dass es mir während der langjährigen Recherche zu meinen Büchern und als aufmerksamer eBay-Beobachter nicht einmal gelang, einen Prospekt des Herstellers aufzutreiben. Das einzig angebotene Exemplar hatte mir vor endlosen Zeiten ein kundiger eBayer weggeschnappt. Auch sind in alten HiFi-Zeitschriften nur ganz wenige Anzeigen über das innovative Produkt erschienen. Umso mehr rieb ich mir die Augen, als in dem Online-Auktionshaus der britische TD 124/II mit leibhaftigem Euphonics-Tonarm auftauchte.

Oft legt sich nach näherem Betrachten solcher Exoten die Begeisterung, wenn das Objekt des Interesses schlecht erhalten ist oder es dafür keine Ersatzteile – in dem Fall neue Nadeleinschübe für den Tonabnehmer – mehr gibt. Doch hier zählten zum Angebot gleich zwei Abtastköpfe in Originalverpackung – voll funktionsfähig. Trotz des selbstbewussten Preises ohne jeden Verhandlungsspielraum, den der gewerbliche Verkäufer für den Plattenspieler verlangte, musste ich da sofort zuschlagen – wohl wissend, dass sich die Gelegenheit für einen TD 124 in dieser Armkombination und in dem Zustand wahrscheinlich kein zweites Mal mehr bietet.

Bevor ich über das Ergebnis der Revision durch Peter Feldmann und die Höreindrücke mit dem Euphonics-Tonarm berichte, hier Informationen zum Miniconic-System. Hersteller der Armkombination war eine Firma Euphonics in Chicago. Vertrieben wurde sie in Großbritannien von Elstone Electronics im mittelenglischen Leeds – wo dieser TD 124/II herstammt – und in Westdeutschland von Boyd & Haas. Der Kölner Importeur führte gegen Ende der 1960er Jahre noch weitere HiFi-Exoten wie den extravaganten britischen Hydraulic-Plattenspieler von Transcriptor im Programm.

Integrierte Abtastlösungen

„Will man von einem Abtastsystem ein Optimum an Qualität erreichen, muss man Tonabnehmer und Tonarm als Ganzes betrachten“, schreibt schon 1961 die Zeitschrift Funk-Technik. „Nur die sorgfältige Abstimmung beider Teile aufeinander ergibt beste Wiedergabequalität bei gleichzeitig höchster Plattenschonung.“ 1958 bringt Shure in den USA mit dem Dynetic-Tonarm das erste Produkt auf den Markt, das dieser Idee konsequent folgt. Auch in Großbritannien realisieren Hersteller das Prinzip eines Tonarms, an dem nur ein einziges, passgenaues System verwendet werden kann: Decca mit seinem berühmten ffss-Tonabnehmer an den Tonarmen Super Pick Up und Professional sowie der Schallplattenkonzern E.M.I. mit der heute ganz seltenen Armkombination EPU 100.

Das gleiche Konzept verfolgt auch das Tandem von Euphonics – mit einem entscheidenden Unterschied: Während Shure, Decca und E.M.I. für den Tonabnehmer die bekannten Arbeitsprinzipien Moving Magnet beziehungsweise Moving Iron nutzen, macht das Miniconic mit einem völlig neuen Wandlerkonzept Schlagzeilen. 1966 befasst sich das fono forum unter der Überschrift „Ein Tonabnehmer neuen Stils“ mit der US-Innovation auf vollen zweieinhalb Seiten.

„Nachdem die moderne Halbleitertechnik in den vergangenen Jahren die bisher gebräuchliche Elektronenröhre aus vielen Anwendungsgebieten verdrängt hat“, schreibt der nicht namentlich genannte Autor, „schickt sie sich nunmehr an, sich auf einem anderen Feld Einlass zu verschaffen. Dieses Feld wurde bisher ausschließlich von elektrodynamischen, magnetischen und piezoelektrischen Wandlern beherrscht. Den Konstrukteuren der Firma Euphonics in den USA ist es gelungen, mit der Entwicklung des neuen Halbleitersystems Miniconic die Vorteile aller drei Prinzipien zu vereinen, deren Nachteile jedoch zu vermeiden.“

Verwandt mit Kristallsystemen

Der Aufbau des Miniconic-Systems entspricht bis auf geringe Abweichungen dem Prinzip piezoelektrischer Tonabnehmer. Als Generator dient hier ein Silizium-Halbleiter-Steuerelement. Der extrem kleine und leichte Wandler ist direkt am Ende der Abtastnadel angebracht. Zur Verstärkung der abgegebenen Spannung sind in das System zwei Silizium-Halbleiter eingebaut. Die Bewegungen des Nadelträgers ziehen die Siliziumplättchen auseinander und drücken sie zusammen, so dass sich ihr elektrischer Widerstand ändert und die Plättchen den Strom einer externen Gleichstromquelle modulieren. Die Plättchen mit den Abmessungen 1,6 x 1,6 x 0,13 Millimeter sind kleiner als der Diamant des Nadelträgers.

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Technische Daten Euphonics Miniconic

Prinzip                                    Siliziumhalbleiter-Wandlerelement

Frequenzbereich                     0 – 50000 Hz ±2 dB

Kanaltrennung                       < – 25 dB

Systemgewicht                       2 Gramm

Nadelnachgiebigkeit              25 x 10-6 cm/dyn

Bewegte Masse                      0,6 Milligramm

Auflagekraft                          0,75 – 3 Gramm

Vertikaler Spurwinkel            15 Grad

Diamantnadel                         elliptisch 23 x 5 µ, sphärisch 13 µ

Ausgangsspannung                max. 80 mV bei 20 V Betriebsspannung (Speisestrom 10 mA)

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Vor- und Nachteile

Ein Vorteil der Konstruktion ist, dass die Abtastnadel aufgrund der großen Empfindlichkeit der Halbleiter nur wenig Energie liefern muss. Deshalb lässt sich das System für hohe Nadelnachgiebigkeit und sehr geringe Auflagekraft auslegen. Auch ist eine Phono-Entzerrung beim Miniconic nicht notwendig. Nachteil des Pickups ist, dass zum Betrieb eine Gleichspannung anliegen muss. Gleichzeitig mit dem System hat Euphonics deshalb ein externes Versorgungsteil PS 15-E entwickelt. Es erzeugt diese Spannung, verstärkt beide Signale und korrigiert die Phasenlage eines Kanals.

Der auffallend zierliche Tonarm mit der Bezeichnung TA-15 hat ein schlankes Rohr und einen schmalen, länglichen Kopf. Das gerade Armrohr misst gerade mal 6,3 mm im Durchmesser – so viel wie der Klinkenstecker eines Kopfhörers. Die notwendige Kröpfung erfolgt am Kopfanschluss. Das schwarze hintere Ende des Tonkopfs mit Fingergriff ist mit dem Armrohr fest verbunden. In diesen Kopf wird die elfenbeinfarbige Systemeinheit mit vier Kontaktstiften von vorn einfach eingesteckt.

Einen Lift hat der TA-15 nicht, ebenso kein Antiskating. In den Drehpunkten arbeiten viskositätsgedämpfte Miniaturkugellager. Die Lagerreibung beträgt horizontal lediglich 0,08 Gramm, in vertikaler Richtung sogar nur 0,06 Gramm. Die Auflagekraft zwischen 0,5 und 3 Pond erzeugt eine Feder, wobei deren Stellknopf rechts vom Sockel nicht kalibriert ist. Die Auflagekraft ist herstellerseitig auf etwas über ein Pond eingestellt.

Großer Erfolg war dem Miniconic trotz seines innovativen Ansatzes und positiver Eigenschaften nicht beschieden – wohl auch, weil der mir unbekannte Preis für die Tonarmkombination beträchtlich gewesen sein dürfte. Die Idee, für die Schallplattenabtastung ein völlig neues Prinzip anzuwenden, wurde aber weiter verfolgt. 1967 entwickelte Kenwood ein photoelektrisches Abtastsystem. Bekannter wurde in den frühen 1970er Jahren ein Modell ähnlicher Arbeitsweise von Toshiba. Grauhaarige HiFi-Veteranen erinnern sich noch an den markanten kugelrunden Tonkopf.

Wie sich die Miniconic-Kombination auf dem TD 124/II in der Praxis schlägt – darum geht es in meinem nächsten, abschließenden Bericht.

Hier nun, wie immer, ein paar spannende Bilder:


Beispiel einer weiteren Tonarm-Tonabnehmer-Kombination Shure Dynetic Tonarm M 222 auf Thorens TD 124
Beispiel einer weiteren Tonarm- Tonabnehmer-Kombination
Beispiel einer weiteren Tonarm- Tonabnehmer-Kombination

KONTAKT:

Verlag Joachim Bung

Stichelwiese 2 b 61389 Schmitten GERMANY

Tel. +49 (0)6084-3764 mail@joachim-bung.de

www.joachim-bung.de

Fortschrittsbericht der Restauration: Thorens TD 124/II mit Miniconic-Abtastkombination

Fortschrittsbericht der Restauration: Thorens TD 124/II mit Miniconic-Abtastkombination

von Joachim Bung

„Der Plattenspieler befindet sich in hervorragendem Zustand“ – so mein erstes Urteil über den Thorens TD 124/II aus England anhand der abgebildeten Fotos. Doch dann dies: Vor etwa drei Wochen meldete sich Peter Feldmann bei mir mit der ärgerlichen Nachricht, dass der Alu-Überteller leicht verzogen und deshalb nicht zu gebrauchen ist. Ich hatte mich leichtsinnigerweise auf die Fotos verlassen – und Feldmann den 124er nicht gleich nach dem Auspacken auf Höhenschlag des Tellers untersucht. Den Mangel hätte man sofort reklamieren müssen – zu spät.

So weit, so schlecht. Versuche von Feldmann, den Teller zu richten, brachten erwartungsgemäß keinen Erfolg. Das funktioniert praktisch nie und verschlimmbessert das Problem nur. Beträgt ein eventueller Höhenschlag mehr als 0,25 mm, ist der Teller nicht mehr bestimmungsgemäß zu benutzen, da das ordnungsgemäße Einstellen der Kupplung nicht gelingt.

Also machte ich mich auf die Suche nach Ersatz. Gebrauchte originale Überteller werden von Zeit zu Zeit angeboten, jedoch selten in einwandfreiem Zustand. Es kam daher eher der Ersatz durch den von Swissonor produzierten neuen Überteller in Frage. Wobei anzumerken ist, dass der Preis dieses Tellers (und auch der des antimagnetischen 5-Kilogramm-Schwungrads von Swissonor) inzwischen Produzenten in Großbritannien, den USA und den Niederlanden auf den Plan gerufen hat, die preislich deutlich günstigere Kopien anbieten.

Ob diese Kopien etwas taugen, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch rein „aus dem Bauch heraus“ würde ich da keine Experimente eingehen und das Schweizer Original den Kopien gegenüber vorziehen. Ein Thorens TD 124 hat kein eigenmächtiges Herumdoktern und in puncto Ersatzteile nur das Beste verdient. Wer hier sparen will, sollte sich lieber einen anderen Plattenspieler zulegen. Jeder Besitzer eines TD 124 sollte doch froh sein, dass Anbieter den Mut haben, qualitativ hochwertige Ersatzteile für einen sehr begrenzten Abnehmerkreis in Kleinserien wieder herzustellen – und diesen Mut durch den Kauf der Teile auch honorieren. Ich weiß – nicht das Denkmuster der Bastler und Schnäppchenjäger, sondern meine persönliche Meinung.

Die Recherche bezüglich des Swissonor-Übertellers ergab, dass dieser bei Riverside in der Schweiz ausverkauft ist. Das gleiche Ergebnis direkt beim Hersteller am Genfer See. Firmeninhaber Urs Frei hat zurzeit nur noch Überteller mit der Qualifikation „1b“ auf Lager. Dazu muss man wissen, dass die Produktion dieses Übertellers äußerst schwierig ist und dabei auch Exemplare anfallen, die nicht ganz den ehrgeizigen Spezifikationen entsprechen. Beileibe keine „Ausschussware“, nur eben nicht hundert Prozent perfekt und mit entsprechendem Preisnachlass.

Solch einen 1b-Teller hat Peter Feldmann jetzt für mich bestellt – mit Option der Rückgabe, wenn er nicht passt. Bleibt nur zu hoffen, dass Urs Frei unter seinen B-Tellern ein besonders gutes Exemplar für meinen TD 124/II aussucht – in der Kategorie gibt es sicher auch noch Streuungen. Der Teller ist inzwischen hier und wird nach Einstellen der Kupplung das restaurierte Laufwerk komplettieren.

Dann wird es spannend: Über die einzelnen Restaurierungsschritte und das Hörergebnis mit dem Euphonics-Tonarm geht es im nächsten Bericht.

Vielen Dank an Joachim Bung: www.joachim-bung.de )

Und hier Teil 1 des Berichts und der Hinweis, dass ich das Buch von Joachim Bung auch in meinem ersten Videobeitrag besprochen habe. Weiter unten dann auch der Bericht über das Standardwerk in meinem Blog und der erste Videobeitrag:

Kontakt Joachim Bung:

Verlag Joachim Bung

Stichelwiese 2 b 61389 Schmitten GERMANY

Tel. +49 (0)6084-3764 mail@joachim-bung.de

www.joachim-bung.de

Hören & Fühlen (2) ist online!

Hören & Fühlen (2) ist online!

Für mein zweites Video habe ich wieder tolle Geräte und Zubehör getestet. Wie immer mit dem Ziel, Sie noch tiefer in die Musik eindringen zu lassen, denn: „Man kann Musik nur hören oder sie hören & fühlen“. Mit dabei: Restek D1 (Tuner von 1980!), Restek ESAT + (SAT-Tuner), Roeder Röhrenphonovorverstärker (One, Midi, Grande), die neue günstigere und phantastische HMS Base: Sandwich, HMS einstellbare Zobelglieder, Black Forest Audio ZeroPlug C und M, eine Vorstellung des Schweizer Intakt Musiklabels und eine Biografie über Charlie Parker.

Zudem beantworte ich einige Ihrer Fragen zum ersten Video. Also wieder ein ganzes Magazin in nur einem Video.

Weitere Infos und Fotos wie immer im Block: www.hoeren-und-fuehlen.de  Wenn Sie Anregungen, Kritik, Lob oder Wünsche zu Themen oder Geräte haben, die ich testen und dann vorstellen soll, mailen Sie mir einfach (Adresse im Blog) Und wenn Sie einen tollen Klassiker der Hifi-Geschichte haben, den Sie der Welt vorstellen wollen, lade ich Sie ein, zu mir in die Sendung zu kommen und das Gerät persönlich mit mir vorzustellen. Mailen Sie mir einfach, was Sie gerne vorstellen würden.   

Für mein nächstes Video sind u.a. folgende Themen geplant: Ein Vergleichstest zweier unglaublich musikalischer und echter High End Plattenspieler, die aber jeweils unter 500,00 EUR kosten, ein Interview mit einer bekannten Pianistin, die Vorstellung eines kleinen aber umso feineren Plattenlabels und viele weitere spannende Themen.  Der Drehtermin ist schon in den nächsten Tagen.

Abonnieren Sie meine Videos doch einfach, dann verpassen Sie keines. Viel Spaß beim Zuschauen:

Audio Research LS 7 Röhrenvorstufe

Audio Research LS 7 Röhrenvorstufe

Die Vorstufe LS 7 des US-amerikanischen Audiospezialisten ist in reiner Vollröhrentechnik aufgebaut. Mein Exemplar stammt von 1995 und ist damit bereits ein Vierteljahrhundert alt. Das ist halb so lange, wie es die 1970 in Minneapolis von William Z. Johnson geründete Firma gibt, der seit ihrem Start ein großartiger Ruf vorauseilt. Obwohl in den Jahren auch Transistor-, Hybrid- oder sogar Class D Verstärker gebaut wurden, waren und sind es die Röhrengeräte, die diesen Ruf auch heute noch völlig zurecht begründen. Neben den klassischen Vor- Endstufen und Vollverstärkern, sind dies nahezu ausnahmslos hoch musikalische Phonovorstufen, CD-Player und DA-Wandler. Ich selbst erinnere mich sehr gerne an eine viele Jahre andauernde wunderbare Klangbeziehung zu einem CD 5 der Amerikaner, der nur und erst in einem Acousticplan Vadi für mich persönlich seinen Meister fand.    

Außer einem neuen Kippschalter zum An- und Ausschalten, hat die LS 7 in den 25 Jahren nur zwei neue Röhrensätze gebraucht. In dieser langen Zeit ein sicherlich guter Wert, der zudem mit dem völlig falschen Vorurteil aufräumt, dass Röhrengeräte wegen des „ständigen“ Wechselns von Röhren große Folgekosten hätten und nicht kontinuierlich genutzt werden könnten. Die Röhren der LS 7, alles Doppeltrioden vom Typ 6922 (ein Äquivalent zur bekannten ECC88) sind solche, die im Gegensatz zu den eigentlich in solchen Schaltungen üblichen ECC83, für eine sehr viel höhere Bandbreite von bis zu 100 Kilohertz stehen. Die Amerikaner geben eine Ausgangsimpendanz von 200 Ohm und eine Verstärkung von 13 Dezibel an, erzeugt durch die zwei spannungsverstärkenden Stufen, die auf einer der sog. sternförmigen Masseführung folgenden und sauber bestückten Platine aufgebaut sind. Durchweg feine (u.a. REL-CAPS, WIMA Kondensatoren) aber keine abgehobenen Bauteile und ein für ARC typischer gerasterter und haptisch einfach toller Alps-Lautstärkeregler runden das stimmige Paket ab. Eingänge hat die reine Hochpegelvorstufe nur 4 (zzgl. einem Tape-Eingang) und zwei Ausgänge (1 Main Out und 1 Tape). Neben dem Kippschalter zum Ein- und Ausschalten der Vorstufe gibt es nur einen weiteren, den Mute Schalter. Neben dem bereits erwähnten Lautstärkeregler kann man über den zweiten ebenfalls satt einrastenden zweiten Drehschalter die Eingänge wählen (übrigens vorteilhaft realisiert über eine durchs ganze Gerät führende Stange und damit also direkt an den Eingangsbuchsen). Ja und das war es schon.

Dass das Gerät die wiederum typischen beiden Griffe hat (die aber abschraubbar sind), muss wohl bei ARC nicht erwähnt werden, stellen sie doch ein wichtiges Erkennungszeichen dar. Gerade diese „tragen“ aber ebenfalls zur wunderbaren symmetrischen der Optik der gesamten Frontplatte mit bei. Ich mag gerade die eher schlichten und leicht rustikal aussehenden Designs der meisten alten ARC Vorstufen und finde, dass die LS 7 neben der LS 5 einer der schönsten, weil schlichtesten Preamps überhaupt ist.

Und wie klingt das knapp 5kg schwere Gerät denn nun?

So wie eigentlich alle ARV Vorstufen, die ich bisher gehört und zum Teil auch besessen habe, und das waren einige. Eine SP 3, SP 6, SP 9, SP 10, SP 11, SP 14, sowie eine LS 5: Allen gemein: Ein Röhrenklang zum Träumen ohne dabei bei der Wiedergabe zu lügen. Eines der sofort erkennbaren ARC-Merkmale ist eine unfassbare Räumlichkeit und eine für viele fast schon überraschende Grob- und Feindynamik. Zudem kann man jeden einzelnen Ton bereits in seiner Entstehungsphase erleben, ohne dass dabei das musikalische Gesamtgeschehen aus dem Blick verloren geht. Alle Details werden wiedergegeben, aber ohne eine wie auch immer drohende übertriebene oder gar ins harsche abdriftende Analytik. Kein Ton ist plötzlich mal eben da, wie es gerade heutige digitale Geräte gerne tun, sondern sie entstehen, wachsen und gehen wieder unter. Es macht mir den Anschein, dass viele Röhrengeräte einem Ton einfach mehr Lebenszeit zu geben scheinen, mit allen für das klangliche Gesamtergebnis so wichtigen zusätzlichen Bestandteilen, insbesondere z.B. die bei jedem Instrument mitschwingenden Obertöne. Gerade diese sind ein so wichtiger Bestandteil, dass ich verspreche, hierzu einmal einen eigenen Bericht zu verfassen.   

Die LS 7 ordnet die Töne in Raum und Zeit, sowie in die Grob- und Feinstruktur der Musik bruchlos ein und erzeugt damit nicht nur eine unglaubliche Plastizität, sondern eine fast schon greifbar erscheinende organische Struktur der einzelnen Instrumente und deren klanglichen Aura. Es entsteht geradezu eine luftige Atmosphäre rund um diese herum. Gerade in den 90er Jahren war es für viele CD Hörer sehr schwierig, sich klanglich auf dieses Medium einzulassen, denn, so ehrlich muss man heute sein, in dieser Zeit gab es leider nur sehr wenige und leider meist sündhaft teure CD-Player, die man neben den klanglichen Fähigkeiten einer analogen Platte als Musikliebhaber überhaupt in Erwägung ziehen konnte. Und gerade diesen Hörer*innen konnte die LS 7 helfen, denn der von ihren Entwicklern gewollte Klangstempel ist eher ein warmer, leicht fülliger und dennoch nichts verschweigender Charakter. Die LS 7 war in der Lage die Defizite der CD, insbesondere deren nicht wegzudiskutierenden klangliche Härte, nahezu vollständig zu kompensieren.

Absolut ehrlich war dieses Gerät nicht, wollte und sollte es aber auch niemals sein. Wer analytische Strukturen und eine 100-prozentige Auflösung mehr liebte, als die emotionale Wiedergabe der Inhalte und musikalischen Interpretationen, sah sich ohnehin nicht bei ARC, sondern direkt woanders um. Dieses Gerät machte und macht leidenschaftlich Musik, und zwar so, wie seine Schöpfer es ihm als Wunschziel technisch quasi als charakterliche Stimmung „einhauchten“. Für den, der dieses Klangideal hatte, und der die bereits beschriebenen Nachteile der CD nicht mehr erdulden wollte, war und ist diese Vorstufe mit ihrer eigenen sensiblen Klangseele und ihren herausragenden fein- und grobdynamischen Fähigkeiten eine sehr gute Möglichkeit seinen Vorstellungen nahe zu kommen.     

Ich habe die LS 7 lange Zeit mit einer Audio Research VT60 SE Röhrenendstufe (ca. 2 x 50 Watt, Röhrenbestückung 4x 6550B und 3 x 6922) gehört, später dann mit einer Jadis DA 5 (ebenfalls mit 4x 6550), die ich wegen meiner hoch-effizienten Lautsprecher mit einem Eingangspegelregler versehen hatte. Schließlich wurden meine Lautsprecher immer noch effizienter und die Endstufen wurde deshalb durch zwei Welter 300B Monoblöcke ersetzt. Seitdem bin ich nie wieder von dem Klang reiner SE-Triodenendstufen und dem einer 300B weggekommen. Seit fast einem Jahrzehnt ist es nun eine Air Tight 300B, die übrigens ebenfalls wunderbar mit der amerikanischen Vorstufe harmoniert und durch ihren regelbaren Eingang eine sehr genaue Anpassung an die Lautsprecher ermöglicht. Es ist eine alte Wahrheit, dass die meisten Lautstärkeregler am besten ab „ca. 9 Uhr“ klingen und das ist bei zu lauten Ketten vielfach nicht möglich, 

Und die ARC LS 7? Tja, die ist bei mir immer noch in Betrieb, aber in meiner zweiten Testanlage. Auch wenn sie in allen den gerade beschriebenen Kombinationen wirklich sehr gut klang, so gut, dass ich niemals den Drang verspürte, sie zu ersetzen, musste sie nach fast 15 Jahren dann doch einer Shindo Vorstufe in meiner persönlichen Referenzkette weichen, über die ich später einmal berichten werde. Auch eine Röhrenvorstufe, aber klanglich meinen Zielen noch etwas näherkommend.

Dennoch: Die LS 7 wird mich niemals wieder verlassen und ich denke, dass sagt alles.

Und wie sieht es auf dem Gebrauchtmarkt aus? Nach meinen Erfahrungen gibt es nur wenige gebrauchte LS 7, die je nach Zustand, für Preise zwischen rund 1000,00 – 1500,00 EUR angeboten werden. Bei einem Neupreis von nur rund 2300 EUR zeigen diese heute noch recht hohen Preise, die übrigens seit Jahren nicht mehr sinken, wie geschätzt und gesucht sie ist. Und das ist absolut verständlich, wenn man dieses Gerät einmal in einer passenden Kette gehört hat. Ich kenne jedenfalls für diesen Preis aus dem aktuellen Angebot neuer Vollröhrenvorstufen keine einzige mit dieser Bauteile- und eindrucksvollen Klangqualität. 

Mein Tipp für Platenhörer: Die Pure Sound P 10, eine famose separate und für das Geld (UVP 800,00 EUR) sensationell gute und ebenfalls in Röhrentechnik aufgebaute separate MM Phonovorstufe, die perfekt mit der LS 7 harmoniert. Wer noch einen großen klanglichen Schritt machen will, der sollte sich die für das Geld unglaubliche Tube ONE von Rainer Roeder aus Bonn anhören. Diese handgefertigte separate Phono-Röhrenvorstufe stellt für mich die beste Lösung weit über den geforderten Preis dar.

Und wer ein MC Tonabnehmer hören will: Ein DENON Dl 103 und ein separater Übertrager vom Auditorium 23 oder ein Ortofon SPU 1E mit dem kleinen Ortofon Übertrager, und schon kann man auch das Thema Plattenabtastung zu den Akten legen. Zumal die Chancen groß sind, dass beide Tonabnehmer auch die nächsten Jahrzehnte weiter gebaut werden. Das SPU kann man übrigens auch bei Ortofon zu einem fairen Preis wieder mit neuen Teilen versehen lassen, wenn das System, wie jedes andere auch, irgendwann einmal Abnutzungserscheinungen zeigt. Ein kleiner, aber für mich nicht unwichtiger Faktor einer gelebten Nachhaltigkeit in unserem schönen Hobby. 

Wenn Ihnen also mal eine ARC LS 7 angeboten wird, überlegen Sie nicht lange…

hier noch ein paar Fotos:

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2 Videobeitrag fertig!

2 Videobeitrag fertig!

Wir haben nach mehrmaligen coronabedingten Verzögerungen nun endlich mit großen Auflagen den zweiten Videobericht drehen können.

Das Feedback auf meinen ersten Beitrag war sehr positiv und ich habe in den letzten Wochen mit unglaublich vielen musikbegeisterten Zuschauer*innen gemailt und telefoniert. Danke an alle!   

Neben der Beantwortung von Fragen zur ersten Sendung, stelle ich im zweiten Beitrag wieder viele spannende Dinge vor, u.a.:

Die drei verschiedenen externen Röhrenphonovorverstärer (Phono One, Midi und Grande) von Rainer Roeder aus Bonn. Alle natürlich passend zu dem in der ersten Folge präsentierten phantastischen 300B Röhrenvollverstärkers der kleinen aber feinen Manufaktur. Wieder reine Handarbeit, Made in Germany!

Der grandiose ESAT + von Restek. Der einfach absolut beste SAT-Tuner, den ich jemals gehört habe. Ein Traum für echte Musikliebhaber, denn es gibt so viele tolle Sender mit zum Teil unglaublicher Klangqualität…

Der 40 Jahre alte und dennoch immer noch perfekt funtionierende und wunderbar klingende (und auch weiterhoin jederzeit von Restek zu reparierende und zu wartende) Tuner Restek D1

Im Zubehörteil werden auch dieses Mal wieder tolle und günstige Produkte vorgestellt: Die Black Forest Audio Zero Plug C und Zero Plug M und das perfekt einstellbare Zobelglied: HMS Perfekt Match.

Die neue und preisgünstige kleine Schwester der phantastischen (Silenzio) Basen von HMS: Die neue und unglaublich gute HMS Sandwich Base

Ein Kurzportrait des schweizer Jazzlabels: Intakt Records und der neuen Solo-CD und ganz besondere musikalische Liebeserklärung von Alexander von Schlippenbach an seine Frau Aki Takase (slow pieces for aki)

Das wirklich hervorragend geschriebene Buch von Wolfram Knauer über Charlie Parker, der 2020 seinen 100 Geburtstag gefeiert hätte. (Reclam)

Dieses und mehr im Beitrag: Hören und Fühlen (2)…bald auf Youtube!