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Mein Musiktipp: Tchaikovsky, Babajanian, Schnittke, „Piano Trios“ mit Gluzman, Moser und Sudbin

Eine neue Klaviertrioeinspielung im großen Markt neuer CDs ist eigentlich nichts Besonderes. Meist sind es zudem die „üblichen Verdächtigen“, deren Werke eingespielt werden. Hier macht die beim schwedischen BIS Label erschienene CD ein interessante Ausnahme.

Bereits das erste Werk von Peter Tschaikowsky ist von seinem Hintergrund her spannend, denn eigentlich war der Komponist ein bekennender Gegner eines Klaviertrios und so überrascht es kaum, dass sein als „Nachruf in Tönen“ in einer zweiteiligen Form daherkommt. Bereits zur Zeit der ersten Aufführungen nicht unumstritten und häufig kritisiert, wird das Werk hier durch die drei Musiker geradezu exemplarisch in der auch gewollten Form einer Art „Klagelied“ musiziert. Vadim Gluzman (Geige), Johannes Moser (Cello) und Yevgeny Sudbin (Klavier) schaffen es ohne Pathetik und mit viel Verve die Musik weit über ihren traditionellen Hintergrund in Russland hinauszuheben, in dem es häufig en Charakter eines instrumentalen Requiems hatte. Das vorliegende Werk aus dem Jahr 1881/82 wurde daher verfasst zum „Andenken an einen großen Künstler“ (gemeint war übrigens Nikolai Rubinstein)

Elegisch aber nicht übertrieben, schaffen es die 3 die Gradwanderung zwischen der Trauer und der Virtuosität sicher zu wandeln, immer mit dem Ziel, sich der Komposition musikalisch und inhaltlich vollständig unterzuordnen. Hier spielt sich keiner in den Vordergrund. Bei einer Länge von fast 50 Minuten ein Drahtseilakt, der die Zuschauer:innen aber geradezu zu fesseln versteht. Insbesondere Gluzman schafft es mit dem großen Klangspektrum seiner legendären „ex-Leopold Auer“ Stradivari dem Charakter des Werkes zu dienen.

Gleich zu Beginn ist es aber der an einen Klagegesang erinnernde Ton des Cellos (Andrea Guarneri aus dem Jahre 1694) von Moser, das tief bewegt und die Atmosphäre des gesamten Werkes geradezu exemplarisch vorzugeben scheint. Es folgt ein Spannungsaufbau, bei dem man gerade wartet, welche Wendungen diese sehr emotionale Musik nehmen wird.

Allein dieses Klaviertrio ist herausragend, dass es alleine schon den Kauf der CD rechtfertigen würde.

Als zweites Werk findet man ein Klaviertrio des armenischen Komponisten und Pianisten Arno Babajanian (1921-1983), das an die romantische Sprache Rachmaninows anknüpft und dennoch zugleich ganz fest in der armensichen Musik verwurzelt ist. Das Werk wurde übrigens von niemand geringerem als dem großen David Oistrach an der Violine uraufgeführt.

Die Aufnahme hier zeigt auf, dass es die 3 Musiker jederzeit schaffen, die Klangvorstellungen des Komponisten sehr gefühlvoll umzusetzen. Seine Idee eines folkloristisch geprägtes Klangdenkens, welches in eine klassisch-romantische Gattungstradition verschränken wird, wird  mit Bravour erreicht, was u.a. bereits die langsame Einleitung durch das Cello und die Violine wunderbar zeigt. Lyrische Themen und dramatische Wechsel, immer im zarten und sehr gefühlvollen Dialog mit dem Klavier. Das ist großartig und ich freue mich sehr, dieses Werk des mir vorab nicht bekannten und so brillanten Komponisten erleben zu dürfen. Eine Entdeckung!

Ein sehr berühmter Musiker lobte Babajanian schon damals sehr: Mstislav Rostropowitsch.

Und genau dieser Rostropowitsch war es auch, der die Uraufführung der auf der CD zu findenden Oper „Leben mit einem Idioten“ von Alfred Schnittke (1934-1998) dirigierte, aus der hier jedoch nur der „Tango“ von den drei Musikern aufgenommen wurde. Dieser Tango wurde vom Komponisten auf besonderen Wunsch von Rostropowitsch  im ersten Akt eingefügt.

Auf der CD wird das Stück in der von Sudbin extra für ein Klaviertrio eingerichteten Form musiziert, übrigens auf dem großen Steinway D Flügel. Wunderbar, wie die Violine hier die Führungsrolle übernimmt und gleich zu Beginn förmlich zu singen und zu klagen scheint, nur um dann in einem zum Teil heftigen Dialog mit den beiden anderen Musikern zu treten um sich mit diesen zu „messen“. Ein kleines musikalischen Meisterwerk, herausragend interpretiert und der würdige Abschluss einer in jeder Hinsicht herausragenden CD/SACD, die, wie bei BIS zu erwarten, auch klanglich in jeder Hinsicht überzeugt.

Unbedingt zu empfehlen!

BIS-2372 / SACD

https://classicdisc.de/

https://bis.se/

https://www.kronbergacademy.de/studium/interne-masterclasses/dozent/person/vadim-gluzman

http://www.johannes-moser.com/

https://www.yevgenysudbin.com/