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Mono oder Stereo – ganz nach Wunsch

Mono oder Stereo – ganz nach Wunsch

Von Joachim Bung

Exot unter den zahlreichen US-Tonarmen der 1950er Jahre ist diese Zehnzoll-Ausführung der Firma Livingston. Den „Universal-Arm“ konnte ich ebenfalls „New Old Stock“ kaufen. Leider gibt es dazu so gut wie keine Informationen im Netz. Auch die bewährte Tonarm-Datenbank der Webseite Vinyl Engine kennt dieses Modell nicht – geometrische Daten Fehlanzeige. Bei der fachgerechten Installation half da nur noch Peter Feldmann. Der Analogexperte aus Bad Homburg ist in der Lage, so ein Schätzchen selbst zu vermessen und auf ein – wieder maßgefertigtes – Thorens-Brett mit minimalem Tangentialfehler zu montieren.

Einen abnehmbaren Tonkopf hat der elegant geschwungene Arm in damals typischen grauen Hammerschlaglack nicht. Bestückt ist er mit dem legendären und hoch gehandelten Tonabnehmer M 3 D von Shure. Gebaut von 1958 bis Anfang der 1970er (!) Jahre, war das Shure M 3 D das erstes Stereo-Modell des Herstellers aus Evanston, Illinois. Auflagekraft 4 Gramm, ideal für alte Monos.

Eine Armstütze besaß der Livingston ursprünglich nicht. Zur besseren Handhabung hat Feldmann eine Stütze maßgefertigt – sogar mit praktischer Überwurfklammer zur Armsicherung und filzbezogenen Kontaktflächen, um Kratzer an der Unterseite des Tonarms zu vermeiden. Solch elegante, mit historischen HiFi-Geräten harmonierende Lösungen zu finden und zu realisieren zählen zu seinen besonderen Stärken.

Maßgefertigte Armstütze mit Überwurfklammer und Filzbezug

Ebenfalls zur leichteren Handhabung des Universal-Tonarms wurde ein separater Armlift montiert, ein historischer Dextrafix Microlift der amerikanischen Dexter Chemical Corporation.

Dextrafix Microlift – in den frühen 1960er Jahren von Telefunken und der deutschen Garrard-Verkaufsgesellschaft in Frankfurt am Main vertrieben, Preis damals 23,50 DM – heute ein Mehrfaches davon

Zweiköpfiger Bruder

Tonarm-Brüder der US-Firma Livingston – oben die zweiköpfige Ausführung

Interessant ist dieser einfach konstruierte Tonarm aus einem ganz besonderen Aspekt: Es gibt davon eine „zweiköpfige“, binaurale Ausführung! Und zwar zum Abspielen von Stereo-Schallplatten nach dem System von Emory Cook. Bei diesen Scheiben sind die beiden Kanäle auf getrennten Bändern aufgezeichnet.

Abtastprinzip der Stereo-Schallplatten nach dem System von Cook

Allerdings haben diese ersten, schon 1952 (!) erschienenen Stereo-Schallplatten nicht nur den Nachteil halbierter Spieldauer– kaum mehr als 10 Minuten bei der damals üblichen 25-cm-LP. Sie erweisen sich auch als ergonomisch unpraktische Idee. Denn der zum Abspielen benötigte „Duplex-Tonarm“ hat zwei parallele Mono-Tonabnehmer, die gleichzeitig auf die Platte gesetzt werden. Entwickler Emory Cook betont die Wichtigkeit des Synchronisierens. „Fehler dürfen dabei nicht passieren“, schreibt er in High Fidelity. „Sonst spielt einer der beiden Tonabnehmer eine Kleinigkeit vorweg, mit schrecklich unmusikalischem Ergebnis.“

Noch mehr Geschick erfordert die Montage eines „Clip-On Conversion“ genannten Adapters mit zweitem Tonabnehmer, wodurch sich ein herkömmlicher Arm auf Stereowiedergabe umrüsten lässt. Angeblich soll der „Beiwagen“ der Cook Laboratories sich auch für Plattenwechsler eignen – ein Vorgehen, von dem Martin Mayer in seinem HiFi-Ratgeber von 1956 aber abrät.

Exponat in einer Vitrine des Deutschen Phonomuseums St. Georgen

Interessant ist, dass man sich auch im Schwarzwald im Versuchslabor von Perpetuum-Ebner schon lang vor der offiziellen Einführung der Stereo-LP (1958) über zweikanalige Musikwiedergabe von Schallplatten Gedanken gemacht macht hat – was das obige „Beiwagenfoto“ an einem „Rex“-Plattenwechsler beweist.

Parallele Tonabnehmer am Duplex-Tonarm – hier zwei moderne Mono-Systeme OM D 25 M von Ortofon

Das obige Foto zeigt den Duplex-Tonarm von Livingston an einem Thorens TD 124. Um Höhenschlag auszugleichen, sind die Köpfe voneinander unabhängig beweglich gelagert. Eine Stellschraube auf der Oberseite erlaubt, den Standardabstand der Abtastnadeln von 43 Millimeter leicht zu variieren, wodurch sich mögliche Toleranzen der Bänder kompensieren lassen. Auch Mono-LPs kann der „Duplex-Arm“ abspielen. Dazu wird einfach der innere Kopf angehoben.

Diese nach dem System von Cook aufgezeichnete Blues-Langspielplatte gehört, wie auch der TD 124 mit binauralem Livingston-Tonarm, einem Restaurator und Sammler alter Phonographen aus der Westschweiz. Er lobt den Klang: „Die Wiedergabe ist phantastisch – sehr dynamisch und mit außergewöhnlicher Kanaltrennung.“

Vielen Dank wieder einmal an Joachim Bung!

Hier seine Seite mit weiteren tollen Infos:

Röhren für echte „Manicas“!

Röhren für echte „Manicas“!

Lieben Sie Röhren? Analoges? Klassisches Hifi? DIY-Berichte? Wenn ja, schauen Sie doch mal bei http://2a3-maniac.blogspot.com/ rein.

Der Blog bietet seit vielen Jahren interessante Informationen rund um diese spannenden Themen. Viele tolle links, Messeberichte, Beiträge von Musikliebhaber*innen und insbesondere ganz viele Fotos von zum Teil echt seltenen klassischen Geräten, Bauteilen und…RÖHREN RÖHREN RÖHREN machen es immer wieder zu einer großen Freude dort vorbeizuschauen und ein wenig in den Tiefen der Inhalte zu stöbern…meine persönlichen High-Lights sind ganz klar die Berichte (und Fotos) der vielen zum Teil historischen und/oder selbstgebauten (oder restaurierten) Röhrenverstärker…und alle Berichte über echte LAUTsprecher, inkl. der vielen wunderbaren Breitbänder…

Ja, nicht alles “Alte“ ist immer besser, aber bei einigem „Neuen“ frage ich mich immer häufiger, ob es wirklich einen so großen Fortschritt gegeben hat…insbesondere, wenn ich so auf meine Röhrenverstärker schaue und eine echte Schallplatte über meinen fast 60 Jahre alten Thorens mit einem fast gleich alten System höre… aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Schauen Sie mal rein. Es lohnt sich!

http://2a3-maniac.blogspot.com/

Thorens TD 124: Laufwerksrevision im Praxistest

Thorens TD 124: Laufwerksrevision im Praxistest

von Joachim Bung

Von der Restaurierung zurück: der Thorens TD 124/II aus Großbritannien mit der Miniconic-Kombination von Euphonics

„Eine Restaurierung, die ihren Namen verdient“ – unter dieser Überschrift hatte ich in meinem letzten Beitrag beschrieben, welche Arbeiten eine seriöse Laufwerksüberholung umfasst. Hier geht es um meine Erfahrungen mit meinem von Peter Feldmann revidierten Thorens TD 124/II, den ich zusammen mit der Euphonics Miniconic Abtastkombination in Großbritannien gekauft hatte.

Um es vorwegzunehmen –  ich war über das Arbeitsergebnis des Bad Homburger Technikers schlicht begeistert. Hochlauf innerhalb einer halben Tellerumdrehung – so soll es sein. Rumpeln in Verbindung mit dem Euphonics-Tonarm nicht vernehmbar. Wobei ein etwaiges Rumpeln beim TD 124 stark vom verwendeten Tonarm, dem eingebauten Tonabnehmer und dessen Nadelnachgiebigkeit abhängt. Es gibt da absolut unverträgliche Kombinationen – Stichpunkt Resonanzverhalten – und andere, die überhaupt keinen Ärger machen – das ist eine Frage des Ausprobierens.

Auch das Laufgeräusch des Plattenspielers ist beinahe nicht existent. Allerdings läuft nach meiner Erfahrung selbst ein perfekt überholter 124er akustisch nie ganz so geräuschlos wie ein ebenso perfekt, zum Beispiel von Martin Bastin revidierter Garrard 301 oder 401.Wobei die beiden britischen Laufwerke ihrerseits das Problem haben, dass die magnetische Wirbelstrombremse nicht wie beim TD 124 auf ein entkoppeltes Zwischenrad, sondern direkt auf eine an der Motorachse angebrachte Metallscheibe wirkt, was eine leichte, akustisch nachteilige Flatterbewegung der Scheibe bewirken kann.

Manche Experten setzen deshalb beim Garrard die Bremsscheibe samt Magnet außer Funktion und steuern die Feinregulierung der Tellerdrehzahl über eine kostspielige externe Stromversorgung mit „sauberem Strom“. Was aber wiederum den ärgerlichen Nachteil einer noch geringeren Leuchtkraft des Stroboskops (beim 401) und eines deutlich längeren Anlaufs des Plattentellers hat. Dabei ist gerade der rasche Tellerstart das Qualitätsmerkmal eines gut gewarteten Reibrad-Laufwerks! Nicht mein Ding. Den Stelltrafo von Martin Bastin habe ich wieder verkauft – zumal ich mit meinen Ohren auch keine klangliche Verbesserung mit dem Teil feststellen konnte.

Völlig lautlosen Lauf verhindert beim Thorens TD 124

  • zum einen die zweistufige Untersetzung mit einem zusätzlich sich drehenden und zumindest theoretisch Geräusch produzierenden Zwischenrad
  • zum anderen der kurze Flachriemen, der mit einer für Riemenlaufwerke untypisch hohen Drehzahl zwischen Motor (1350 U/min) und Stufenantriebsrad (700 U/Min) rotiert und dadurch ein leichtes Rauschen erzeugen kann.

Wobei dieses Rauschen stark vom verwendeten Treibriemen abhängt. Hat man da ein gut eingelaufenes, fast unhörbares Exemplar, heißt es „never change an winning team“. Ohne Not sollte man da nie etwas verändern. Peter Feldmann berichtet, dass er sich inzwischen durch lange Versuche und Überlegungen das Know-how erarbeitet, einen TD 121 oder 124 absolut ruhig zu stellen. Der Fachmann hat ermittelt, dass für beste Laufruhe außer der Beschaffenheit des Treibriemens auch die der Oberflächen von Motorpulley und Stufenantriebsrad die entscheidenden Parameter sind.

Nie verändern sollte man auch die Einstellung einer gut funktionierenden Tellerkupplung. Und ein Reibrad nicht austauschen, wenn dieses gut eingefahren ist. Im Gegensatz zu Autoreifen nutzt sich das Gummirad des TD 124, das mit 80 Millimeter einen außergewöhnlich großen Durchmesser besitzt, praktisch nicht ab. Ein Wechsel aus diesem Grund ist deshalb unnötig.

Aufrüstung mit LED-Stroboskop

Wie Peter Feldmann bin auch ich strikt gegen jedwede dubiose oder gar schädliche Modifikationen und illusorische „Verbesserungen“, die dem Original abträglich sind. Einzige Veränderung an dem britischen TD 124/II war der Einbau eines „Keystrobe“: Dabei handelt es sich um eine helle orangefarbene LED-Leuchte, die von einem Frequenzgenerator gespeist wird und welche die funzelige Glimmlampe ersetzt – ein Schwachpunkt des sonst so hervorragenden Schweizers – siehe Vergleichsfotos.

Stroboskopbeleuchtung ohne Keystrobe

Stroboskopbeleuchtung mit Keystrobe

Keystrobe am britischen Thorens TD 124/II – hier etwas übertrieben dargestellt

Wobei es meinem Sparringspartner gelang, das Versorgungskästen elegant unter dem Chassis anzubringen, so dass die technische Veränderung außer dem deutlich helleren Stroboskoplicht optisch nicht auffällt. Das 105 Pfund kostende Keystrobe kann ich jedem Besitzer eines TD 124 als wirkliche Verbesserung empfehlen. (link, s.u.)

Neuer Überteller von Swissonor

Auch erwies sich der Überteller von Swissonor als Ersatz für das verzogene Originalteil als gute Wahl. Als „1b-Exemplar“ hat er einen geringen Höhenschlag, der aber das tadellose Funktionieren der Kupplung nicht beeinträchtigt.

Der o.a. link:

https://keystrobe.co.uk/product/keystrobe-pulser-optibloc-124/

Vielen Dank an Joachim Bung für einen weiteren tollen Bericht!

Übrigens hat er sein (DAS) Standardwerk zu Thorens und weiteren Geräten der 60-70 Jahre um ein weiteres Teil-Werk ergänzt:

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Hier aktuelle News auf der tollen Webseite:

Verlag Joachim Bung

Stichelwiese 2 b 61389 Schmitten GERMANY

Tel. +49 (0)6084-3764 mail@joachim-bung.de

Thorens TD 124: Eine Revision, die ihren Namen verdient

Thorens TD 124: Eine Revision, die ihren Namen verdient

Ein Bericht von Joachim Bung

Ein paar Tropfen Öl hier, etwas Fett da und eventuell ein paar neue Teile genügen“, meinen viele Besitzer des Thorens TD 124, die in eine professionelle Überholung nichts investieren wollen. Die stattdessen eigenmächtig herumwerkeln und damit verbundenen Pfusch riskieren. Techniker Peter Feldmann kann ein Lied davon singen, wenn ein von kleinlichem Geiz getriebener Bastler mit seinem Laufwerk nicht mehr weiter weiß und solche „Fälle“ letztlich auf seinem Arbeitstisch landen. Und sei es nur, weil es dem Kunden nach unsäglichem Tun nicht mehr gelingt, die knifflige Tellerkupplung wieder so einzustellen, dass sie ohne Schleifgeräusch funktioniert.

Peter Feldmann bei der geometrischen Bestimmung der Tonarmposition auf einem TD-124-Armbrett

Welche Arbeiten umfasst nun eine Revision, die ihren Namen verdient und einen Thorens TD 124 für viele weitere Betriebsjahre fit macht?

An erster Stelle, so der Fachmann, steht eine Bestandsaufnahme mit Testlauf des „Patienten“. Wichtig dabei ist das Einschätzen sämtlicher Lager durch Kontrolle der Nachlaufzeiten. Nach Entfernen von Überteller, Hauptteller, Antriebsriemen und Bremsmagnet lässt sich das Nachlaufen von Motor, Stufenantriebsrad und Reibrad beurteilen sowie – nach Wiedereinsetzen ds Haupttellers – auch dessen Nachlauf und damit der Allgemeinzustand des Hauptlagers.

Dann geht es an die Demontage des Laufwerks, soweit nötig. Die Mechanik der Geschwindigkeitsumschaltung muss nur selten komplett zerlegt werden. Hier genügt fast immer das Entfernen von Metallausblühungen am Schaltgestänge, die Kontrolle und das Nachspannen des Stahlflachbandes sowie anschließendes Fetten und Ölen – und zwar mit den richtigen Mitteln. „Falls aber an der Mechanik schon mal ein Kunde versucht hat, ‚hier was einzustellen‘, schaue ich da sehr genau hin.“

Zentraler Arbeitsschritt: die Motor-Revision

Verschlissenes Lager eines E-50-Motors mit deutlichem kreisförmigem Abrieb

Jetzt der wichtigste Arbeitsschritt – die Revision des Antriebsmotors. Denn dieser stellt heute ein Grundproblem des TD 124 dar. Wegen wirtschaftlicher Zwänge war die Qualität der Motorlager nie über alle Zweifel erhaben. Die Teile hat Thorens nicht selbst gefertigt, sondern von Zulieferern bezogen.

Wenn man weiß, dass die Herstellungskosten des E-50-Motors Anfang der 1960er Jahre weniger als 15 Franken betragen haben, wundert es nicht, dass die erforderliche Qualität für eine mehrere Jahrzehnte lange Haltbarkeit nicht zu erreichen war. Die Strategen in Sainte-Croix konnten ja damals nicht ahnen, dass viele Exemplare ihres Thorens TD 124 auch nach einem halben Jahrhundert noch in Betrieb sind – und vielleicht noch weitere 50 Jahre oder noch länger in Betrieb sein werden! Die Originallager wurden aus gesinterter Bronze hergestellt. Sie sind nach langer Betriebszeit spröde und ausgetrocknet. Eine einwandfreie Schmierung der Motorachse ist dann nicht mehr gewährleistet.

Zum Überholen des Motors zerlegt Peter Feldmann diesen komplett. Er baut die Lager aus, bohrt die Nieten aus, ersetzt Axiallager und Ölfilze, poliert die Motorwelle und kocht die Sinterlager in einer Vakuumkammer aus, was den Schmutz aus den Poren entfernt. Sämtliche Lagerbüchsen werden sorgfältig gereinigt – aber auf keinen Fall poliert! „Das ist bei Sinterlagern nicht erlaubt, da diese sich dann zusetzen“, so der Experte. Anschließend müssen sich die Buchsen mit neuem Öl vollsaugen. Am Schluss der Motorrevision folgt der sorgfältige Wiederzusammenbau aller Bauteile.

Neue Kugel für das Motorlager

Danach geht es an die Lagerkontrolle aller weiteren sich drehenden Teile – des Stufenantriebsrads, des Reibrads und des Haupttellers. Dazu werden außer den Lagerplatten auch die Lagerkugeln und beim Stufenantriebsrad zusätzlich das Wellenende unter einem Mikroskop auf ihren Zustand untersucht. Diese Elemente sind nach vielen Betriebsjahren nahezu immer verschlissen. Wenn nötig, werden alle sich drehenden Wellen poliert, nachgeschliffen oder gar getauscht. In jedem Fall erfolgt der Austausch aller Axiallagerplatten und -scheiben (Motorlager, Stufenantriebsradlager, Reibradlager, Haupttellerlager).

Die weiteren Revisionsschritte:

  • Motorpulley und Stufenantriebsrad kontrollieren, reinigen und polieren
  • Reibrad kontrollieren und nachschleifen oder gegebenenfalls ersetzen
  • Reibfläche am Innenkranz des Haupttellers kontrollieren und nachschleifen
  • Befestigung des Haupttellers an der Tellerachse sowie Rundlauf überprüfen (der Teller wird oft aus Bastelinteresse demontiert und danach nicht mehr richtig mit der Achse verschraubt, was am „Eiern“ der Stroboskoplinie erkennbar ist)
  • Prüfen, reinigen und polieren des Aluminium-Außentellers; Kontrolle des Höhenschlags und der Funktion der Kupplung
  • Überholen des Ein- und Ausschalters, Ersetzen des Entstörungskondensators
  • Kontrolle und wenn nötig Tausch der Stroboskop-Glimmlampe
  • Reinigen des Stroboskopspiegels, Polieren des Stroboskopfensters
  • Komplette Reinigung und Politur des Gusschassis
  • Auffrischen der Gummimatte
  • Überprüfen und Reinigen des Mittelpucks
  • Kontrolle und gegebenenfalls Ersatz der Gummipilze
  • Bei Laufwerken der ersten Serie Umbau der Motoraufhängung auf den der Serie II, falls vom Kunden gewünscht
  • Überprüfen des Netzkabels und der Kabelzugentlastung, gegebenenfalls Ersatz

Last not least ist das Verwenden der geeigneten Reinigungsmittel und Polituren wichtig. Bei seinen Revisionen greift Feldmann nicht nur auf die heute verfügbaren, neu produzierten Ersatzteile des TD 124 zurück. Dank seines handwerklichen Geschicks sowie umfassender Material- und Marktkenntnisse setzt er auch auf Eigenanfertigungen (Axiallagerplatten, Dichtungen, Motor-Ölfilze), preiswerten Industriezubehör (Lagerkugeln, Bremsbeläge) sowie Teile aus dem Elektronikhandel. Bei besonders schwierigen Fragen oder gar Anfertigen spezieller Bauteile stehen ihm seine beiden Söhne mit Rat und Tat zur Seite, beide Werkstoffspezialisten an der TU Darmstadt.

Reparatur eines Tonarms Fidelity Research FR-64 S

Bei allen verantwortungsvollen Arbeiten an historischen HiFi-Geräten beweist der Fachmann Einfühlungsvermögen und einen „Blick“ für historische Belange. Kein Wunder, dass er sich nicht nur im Rhein-Main-Gebiet einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Kunden aus ganz Deutschland geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Selbst Dirigent Herbert von Karajan nahm Feldmanns Dienste schon in Anspruch, als er den Plattenspieler in seinem Feriendomizil in St. Moritz von ihm justieren ließ. – Wie sich ein von Peter Feldmann revidierter Thorens TD 124 in der Praxis schlägt, lesen Sie in meinem nächsten Beitrag.

Kontakt:

DIY für Fortgeschrittene…die etwas andere Zarge für den Garrard 301…

DIY für Fortgeschrittene…die etwas andere Zarge für den Garrard 301…

Sie wollten schon immer wissen, wie man eine tolle Zarge für den Plattenspieler selbst bauen kann? Hier eine Lösung…und vielleicht auch ein Hinweis darauf, warum manche Zargen etwas teurer sind…beachten Sie bitte auch das wunderbare Laufwerk (Garrard 301), den Tonarm von IKEDA und den Tonabnehmer von Kondo…da hat jemand sich was klanglich wirklich sehr gut passendes zusammengestellt…Gratulation und viel Vergnügen mit dieser Traumkombination!

Quelle: New Yorkshire Workshop

https://www.youtube.com/channel/UCWRgjGPIutM9r91dihIyl5Q

Reine Zweckform: Studiotonarm Pickering 190 D

Reine Zweckform: Studiotonarm Pickering 190 D

Tonarm Pickering 190 D auf dem Laufwerk Thorens TD 124.

Von Joachim Bung.

Pickering ist ursprünglich ein Hersteller von Tonabnehmern und Tonarmen für Schellack-Wiedergabe in Rundfunkstationen. 1950 kommt der lange Tonarm Pickering 190 speziell zum Abtasten der neuen Mikrorillen auf den Markt. Die Zweckform der 16-Zoll-Ausführung verrät die Herkunft aus der professionellen Studiotechnik – kein Tonarm also, der Frauen gefallen will. Auch private HiFi-Liebhaber tun sich mit der Gestalt des 190 schwer – vor allem wegen der fehlenden Kröpfung und des scheinbar nicht vorhandenen Tonkopfs. Statt vorn in ein elegant gestyltes Kopfgehäuse überzugehen, endet das nüchterne Vierkantprofil an dieser Stelle abrupt – als ob jemand es dort einfach abgesägt hat.

Allerdings hat der Pickering 190 im Inneren des Vierkantrohrs sehr wohl einen Tonkopf. Die Halterung ist schräg befestigt, was den bei Drehtonarmen erforderlichen Kröpfungswinkel gewährleistet. Der Arm besitzt für horizontale und vertikale Bewegung getrennte Drehpunkte. Das Lager für die Horizontalbewegung befindet sich wie üblich am Armsockel, das Lager für die Vertikalbewegung dagegen direkt hinter dem Tonkopf. Der Hauptteil des Tonarms lässt sich nur horizontal drehen. Der Kopf hingegen kann sich nur rauf und runter bewegen. Dank der besonderen Konstruktion reduziert sich die bewegte Masse für die Vertikalbewegung auf ein Minimum, was dem sicheren Abtasten selbst welligerer Schallplatten zu Gute kommt.

Die Auflagekraft am Tonkopf wird über eine lange Spiralfeder im Inneren des Profils reguliert – siehe Schaubild. Ihr Rändelrad ist von der Unterseite aus erreichbar. Der Arm hat einen magnetischen Ruheanschlag und bequeme Einlochbefestigung auf der Grundplatte. Verwunderlich für so einen langen Vertreter seiner Gattung ist der vom Hersteller genannte Tangentialfehler, der „weniger als ± 2,5 Grad“ betragen soll.

Konstruktion des Vorläufers Pickering 190 mit langem Gegengewicht – Abbildung aus meinem Werk SCHWEIZER PRÄZISION

„Der Pickering 190 hat sich im Studiobetrieb zu einer festen Größe entwickelt, an der Modelle der Konkurrenz gemessen werden müssen“, stellt bei der Einführung des Tonarms die US-Zeitschrift High Fidelity fest. „Bei ihm wurde kein einziger Kompromiss eingegangen, der das hohes Abtastvermögen und die Plattenschonung in Frage stellt. Die Armresonanz ist gut gedämpft; sie liegt außerhalb des Hörbereichs. Die Lagerreibung ist reduziert auf das technisch machbare Minimum. Der Tonarm ist statisch ausbalanciert und dadurch unempfindlich gegenüber Erschütterungen. Er arbeitet auch in Schräglage des Laufwerks korrekt. Gut gemacht, Mr. Pickering!“

Zugeständnis an den Amateurmarkt

Um dem Tonarm auch auf dem Amateurmarkt verkaufen zu können, überarbeitet Pickering 1954 sein Modell. Die 190 D genannte Ausführung baut kürzer und endet bei meinem Exemplar in einem fächerförmigen Gegengewicht. Auch keine Ausgeburt an Eleganz, doch immerhin lässt sich der Arm dadurch auch in einem knappen Schrankabteil installieren, in dem Plattenlaufwerke in den 1950er Jahren oft eingebaut waren. Pickering betont, dass der 190 D für das Abtasten von Vinyl- und Schellackplatten gleichermaßen geeignet ist. Und dass der Arm mit einem gegebenen Tonabnehmer angeblich 50 Prozent weniger Auflagedruck als vergleichbare Modelle anderer Hersteller benötigt.

Der auf meinem Thorens TD 124 (frühe Seriennummer 14302, Baujahr 1959) abgebildete Pickering 190 D ist „New Old Stock“. Er war zuvor noch nie benutzt worden. Mein Sparringspartner Peter Feldmann hat den Arm fachgerecht und mit minimalem Tangentialfehler auf ein maßgefertigtes Thorens-Brett montiert. Die geometrischen Daten des Pickering konnten wir der Tonarm-Datenbank der Webseite „Vinyl Engine“ entnehmen. Das Armbrett ist etwas schmaler als das breite Standardbrett und tut der Optik gut. Den Tonkopf versah der Techniker mit einem passenden historischen Shure M 77. Die Auflagekraft hat er auf zirka 6,5 Pond eingestellt. Das liegt etwas oberhalb des für diesen Tonabnehmer zulässigen Bereichs (4 – 6 p), ist aber noch tolerabel.

Tonkopf mit schräg eingebautem Tonabnehmer Shure M 77

Das Aufsetzen des Pickering-Tonarms auf die Schallplatte erfordert einige Übung und eine ruhige Hand. Zunächst ergreift man den Arm an seinem Vierkantrohr, löst ihn von dem Magnetstab und führt ihn nach links Richtung Plattenteller. Der Hebel mit „PC“-Logo dient dazu, den Tonabnehmer anzuheben, so dass man ihn über den Teller schwenken kann. Bedient wird er am besten mit dem Zeigefinger. An der gewünschten Stelle der Schallplatte lässt man am Hebel vorsichtig nach und senkt so die Abtastnadel in die Schallrille.

Moderne „audiophile“ Langspielplatten sollte man mit diesem „Prügel“ natürlich nicht abspielen. Doch für dicke, vor 1965 gepresste Monos, die noch den Hinweis „Staubfrei halten und mit nicht mehr als 10 Gramm Auflagekraft spielen“ auf der Hülle tragen, eignet sich der Pickering hervorragend. Glauben Sie’s mir – die alten Vinylschätze vertragen das!

Anzeige in einer US-Zeitschrift, 1951

Vielen Dank an Joachim Bung für diese tolle Story und die Fotos! Wer mehr zu dem Thema sehen will, schaut einfach mal weiter hier im Blog…

Haben Sie auch einen besonderen Tonarm, ein seltenes Laufwerk, einen außergewöhnlichen Tonabnehmer oder tolles Hifi Gerät? Senden Sie mir einfach ein Foto mit der Beschreibung zu, dann können es alle bewundern!