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Thorens TD 124: Eine Revision, die ihren Namen verdient

Ein Bericht von Joachim Bung

Ein paar Tropfen Öl hier, etwas Fett da und eventuell ein paar neue Teile genügen“, meinen viele Besitzer des Thorens TD 124, die in eine professionelle Überholung nichts investieren wollen. Die stattdessen eigenmächtig herumwerkeln und damit verbundenen Pfusch riskieren. Techniker Peter Feldmann kann ein Lied davon singen, wenn ein von kleinlichem Geiz getriebener Bastler mit seinem Laufwerk nicht mehr weiter weiß und solche „Fälle“ letztlich auf seinem Arbeitstisch landen. Und sei es nur, weil es dem Kunden nach unsäglichem Tun nicht mehr gelingt, die knifflige Tellerkupplung wieder so einzustellen, dass sie ohne Schleifgeräusch funktioniert.

Peter Feldmann bei der geometrischen Bestimmung der Tonarmposition auf einem TD-124-Armbrett

Welche Arbeiten umfasst nun eine Revision, die ihren Namen verdient und einen Thorens TD 124 für viele weitere Betriebsjahre fit macht?

An erster Stelle, so der Fachmann, steht eine Bestandsaufnahme mit Testlauf des „Patienten“. Wichtig dabei ist das Einschätzen sämtlicher Lager durch Kontrolle der Nachlaufzeiten. Nach Entfernen von Überteller, Hauptteller, Antriebsriemen und Bremsmagnet lässt sich das Nachlaufen von Motor, Stufenantriebsrad und Reibrad beurteilen sowie – nach Wiedereinsetzen ds Haupttellers – auch dessen Nachlauf und damit der Allgemeinzustand des Hauptlagers.

Dann geht es an die Demontage des Laufwerks, soweit nötig. Die Mechanik der Geschwindigkeitsumschaltung muss nur selten komplett zerlegt werden. Hier genügt fast immer das Entfernen von Metallausblühungen am Schaltgestänge, die Kontrolle und das Nachspannen des Stahlflachbandes sowie anschließendes Fetten und Ölen – und zwar mit den richtigen Mitteln. „Falls aber an der Mechanik schon mal ein Kunde versucht hat, ‚hier was einzustellen‘, schaue ich da sehr genau hin.“

Zentraler Arbeitsschritt: die Motor-Revision

Verschlissenes Lager eines E-50-Motors mit deutlichem kreisförmigem Abrieb

Jetzt der wichtigste Arbeitsschritt – die Revision des Antriebsmotors. Denn dieser stellt heute ein Grundproblem des TD 124 dar. Wegen wirtschaftlicher Zwänge war die Qualität der Motorlager nie über alle Zweifel erhaben. Die Teile hat Thorens nicht selbst gefertigt, sondern von Zulieferern bezogen.

Wenn man weiß, dass die Herstellungskosten des E-50-Motors Anfang der 1960er Jahre weniger als 15 Franken betragen haben, wundert es nicht, dass die erforderliche Qualität für eine mehrere Jahrzehnte lange Haltbarkeit nicht zu erreichen war. Die Strategen in Sainte-Croix konnten ja damals nicht ahnen, dass viele Exemplare ihres Thorens TD 124 auch nach einem halben Jahrhundert noch in Betrieb sind – und vielleicht noch weitere 50 Jahre oder noch länger in Betrieb sein werden! Die Originallager wurden aus gesinterter Bronze hergestellt. Sie sind nach langer Betriebszeit spröde und ausgetrocknet. Eine einwandfreie Schmierung der Motorachse ist dann nicht mehr gewährleistet.

Zum Überholen des Motors zerlegt Peter Feldmann diesen komplett. Er baut die Lager aus, bohrt die Nieten aus, ersetzt Axiallager und Ölfilze, poliert die Motorwelle und kocht die Sinterlager in einer Vakuumkammer aus, was den Schmutz aus den Poren entfernt. Sämtliche Lagerbüchsen werden sorgfältig gereinigt – aber auf keinen Fall poliert! „Das ist bei Sinterlagern nicht erlaubt, da diese sich dann zusetzen“, so der Experte. Anschließend müssen sich die Buchsen mit neuem Öl vollsaugen. Am Schluss der Motorrevision folgt der sorgfältige Wiederzusammenbau aller Bauteile.

Neue Kugel für das Motorlager

Danach geht es an die Lagerkontrolle aller weiteren sich drehenden Teile – des Stufenantriebsrads, des Reibrads und des Haupttellers. Dazu werden außer den Lagerplatten auch die Lagerkugeln und beim Stufenantriebsrad zusätzlich das Wellenende unter einem Mikroskop auf ihren Zustand untersucht. Diese Elemente sind nach vielen Betriebsjahren nahezu immer verschlissen. Wenn nötig, werden alle sich drehenden Wellen poliert, nachgeschliffen oder gar getauscht. In jedem Fall erfolgt der Austausch aller Axiallagerplatten und -scheiben (Motorlager, Stufenantriebsradlager, Reibradlager, Haupttellerlager).

Die weiteren Revisionsschritte:

  • Motorpulley und Stufenantriebsrad kontrollieren, reinigen und polieren
  • Reibrad kontrollieren und nachschleifen oder gegebenenfalls ersetzen
  • Reibfläche am Innenkranz des Haupttellers kontrollieren und nachschleifen
  • Befestigung des Haupttellers an der Tellerachse sowie Rundlauf überprüfen (der Teller wird oft aus Bastelinteresse demontiert und danach nicht mehr richtig mit der Achse verschraubt, was am „Eiern“ der Stroboskoplinie erkennbar ist)
  • Prüfen, reinigen und polieren des Aluminium-Außentellers; Kontrolle des Höhenschlags und der Funktion der Kupplung
  • Überholen des Ein- und Ausschalters, Ersetzen des Entstörungskondensators
  • Kontrolle und wenn nötig Tausch der Stroboskop-Glimmlampe
  • Reinigen des Stroboskopspiegels, Polieren des Stroboskopfensters
  • Komplette Reinigung und Politur des Gusschassis
  • Auffrischen der Gummimatte
  • Überprüfen und Reinigen des Mittelpucks
  • Kontrolle und gegebenenfalls Ersatz der Gummipilze
  • Bei Laufwerken der ersten Serie Umbau der Motoraufhängung auf den der Serie II, falls vom Kunden gewünscht
  • Überprüfen des Netzkabels und der Kabelzugentlastung, gegebenenfalls Ersatz

Last not least ist das Verwenden der geeigneten Reinigungsmittel und Polituren wichtig. Bei seinen Revisionen greift Feldmann nicht nur auf die heute verfügbaren, neu produzierten Ersatzteile des TD 124 zurück. Dank seines handwerklichen Geschicks sowie umfassender Material- und Marktkenntnisse setzt er auch auf Eigenanfertigungen (Axiallagerplatten, Dichtungen, Motor-Ölfilze), preiswerten Industriezubehör (Lagerkugeln, Bremsbeläge) sowie Teile aus dem Elektronikhandel. Bei besonders schwierigen Fragen oder gar Anfertigen spezieller Bauteile stehen ihm seine beiden Söhne mit Rat und Tat zur Seite, beide Werkstoffspezialisten an der TU Darmstadt.

Reparatur eines Tonarms Fidelity Research FR-64 S

Bei allen verantwortungsvollen Arbeiten an historischen HiFi-Geräten beweist der Fachmann Einfühlungsvermögen und einen „Blick“ für historische Belange. Kein Wunder, dass er sich nicht nur im Rhein-Main-Gebiet einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Kunden aus ganz Deutschland geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Selbst Dirigent Herbert von Karajan nahm Feldmanns Dienste schon in Anspruch, als er den Plattenspieler in seinem Feriendomizil in St. Moritz von ihm justieren ließ. – Wie sich ein von Peter Feldmann revidierter Thorens TD 124 in der Praxis schlägt, lesen Sie in meinem nächsten Beitrag.

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