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Fortschrittsbericht der Restauration: Thorens TD 124/II mit Miniconic-Abtastkombination – Teil 4 (letzter Teil)

„Dem Stand der Technik um mindestens 10 Jahre voraus“

von Joachim Bung

Startklar: der restaurierte TD 124/II mit Miniconic-Kombination

Bevor die Miniconic-Abtastkombination in Großbritannien zu den Kunden ging, wurde das für 117 Volt ausgelegte US-Versorgungsteil PS 15-E beim Importeur Elstone Electronics auf die Stromspannung in Europa umgestellt. „Zuerst habe ich dieses Kästchen mit einem neuen Netzkabel und dem bei uns gebräuchlichen Stecker versehen“, berichtet Peter Feldmann von der Revision. „Dann wurde ein neuer Netztransformator eingebaut. Der alte war zwar gut gemacht, aber defekt. Die Kabelzugentlastung habe ich auf den erlaubten Stand gebracht. Schließlich habe ich das Wunderwerk einmal in Betrieb genommen: Beide Systeme, die Tonarmelektrik und die Versorgungseinheit funktionieren tadellos! Das Hintergrundrauschen konnte ich am PS 15-E durch Elko-Tausch verringern.“

Laut Feldmann sind beide Miniconic-Systeme gespielt; die elliptischen Diamanten aber in guter Verfassung mit großer Restlebensdauer. Zudem stellte der Techniker fest, dass der in Analogkreisen bekannte Fachmann Martin Göttmann in der Lage sein würde, die Nadelträger bei Bedarf mit einer neuen Abtastnadel zu bestücken. Bei praktischen Versuchen ermittelte Feldmann 1,8 Pond für sicheres Abtasten als optimale Kraft – ein Wert, der sich auch heute noch sehen lassen kann und große Plattenschonung garantiert. Sein Urteil über das Euphonics Miniconic: „Innovativ und hochmodern, dem damaligen Stand der HiFi-Technik um mindestens zehn Jahre voraus.“

Tonarmlager mit Gegengewicht und Stellknopf für die Auflagekraft

Die Montage eines Tonarmlifts (Ortofon Hi-Jack oder Dextrafix Microlift) verbat sich in dem Fall, da diese externen Aufsetzhilfen – da sind Feldmann und ich uns einig – mit dem zierlichen Arm nicht harmonieren und die elegante Optik stören würden. Was sich aber in der Praxis nicht als Manko erwies. Dank der ergonomisch günstigen Form des Kopfgriffs – daran sollte sich mancher neuzeitliche Tonarm ein Beispiel nehmen – lässt sich der Euphonics ruhig und sicher an den Rand einer Schallplatte setzen, wenn man dabei die Hand auf dem Chassis des Laufwerks abstützt.

Tonkopf mit ergonomisch günstigem Griff

Sockelmontage des Versorgungsteils

Das Versorgungsteil PS 15-E war zur Wandmontage, etwa in einem Plattenspielerschrank gedacht, wo es permanent mit dem Stromnetz verbunden war. Zur optisch vorteilhafteren Aufstellung neben dem TD 124/II hat mein „Sparringspartner“ das Kästchen auf einen präsentablen Holzsockel montiert und diese Basis mit Ein- und Ausschalter sowie roter LED-Betriebslampe versehen. Ein- und Ausgänge befinden sich rechterhand, wobei zur Stromversorgung des Tonabnehmers kein gesondertes Kabel benötigt wird. Der Gleichstrom wird über das Tonarmkabel dem Tonkopf zugeliefert.

Mit einem Schalter am PS 15-E schaltet man zwischen linearem Frequenzgang und Phono-Entzerrung hin und her. In der einen Stellung wird das Versorgungsteil mit einem Hochpegeleingang des Verstärkers verbunden, in der anderen mit dem magnetischen Phono-Eingang. Wobei sich Letzteres im Praxisbetrieb als vorteilhafter erwies.

Versorgungsteil PS 15-E auf Holzsockel mit Schalter und Betriebslampe

Das Miniconic-System arbeitet nicht ganz brummfrei. Allerdings erwies sich die Ausgangsspannung des Systems als derart hoch, dass der Lautstärkeregler am Verstärker selbst für hifi-gerechte Lautstärke nur wenig aufgedreht werden muss. Was einerseits den Brummpegel mit sicherem Abstand unter die Hörschwelle senkt, andererseits nach einem Phonoeingang mit hoher Übersteuerungsfestigkeit verlangt.

Plastisch und ausgewogen

Die praktische Erprobung der Miniconic-Kombination nahm 1966 das Testlabor des fono forum an einem SME-Tonarm 3012 auf dem Thorens TD 124 vor. Für einen Vergleich standen elektrodynamische und magnetische Tonabnehmer zur Verfügung. Abgehört wurde mit einem Transistorverstärker TX-200 von Fisher und der Lautsprecherkombination Kelly-Peerless-Duode. Zur Kontrolle diente der Koss-Kopfhörer Pro 4.

„Das Euphonics-System“, so das Urteil der Zeitschrift, „zeigte sich allen zur Verfügung stehenden Magnetsystemen überlegen. Lediglich bei einem gehörmäßigen Vergleich mit dem SPU sprachen sich zwei Teilnehmer zugunsten des Ortofon aus. Auch ist die Unempfindlichkeit gegenüber magnetischen Plattentellern wie dem des TD 124 ein unbestreitbarer Vorzug.“ Ähnlich positiv die Meinung in Großbritannien: „Das Klangbild war bemerkenswert klar, mit fein gezeichneten Höhen und weitem Hörspektrum“, schrieb John Borwick in der Zeitschrift Gramophone, der das Euphonics Miniconic auf der Londoner Audio Fair hörte.

In der US-Zeitschrift Stereophile rangierte das Miniconic in der Hitliste der weltbesten Tonabnehmer an vierter Stelle nach Decca ffss, Ortofon SPU und Shure V-15. Ein Urteil, dem ich mich nach einigen genussvollen Schallplattenabenden mit dem TD 124/II in Verbindung mit meiner Verstärkerkombination McIntosh C 26/MC 2505 nur anschließen kann: Ein sehr ausgewogenes, plastisches Klangbild – zum Beispiel bei Henry Mancinis Living-Stereo-LP „Peter Gunn“ (RCA Victor LSP-1956) aus dem Jahre 1959. Die berühmte, etwas vom Jazz inspirierte Filmmusik perlt förmlich aus meinen herrlich altmodischen Tannoy-Stirling-Lautsprechern mit Bespannung Marke „Omas Gardinenstoff“. Wobei ich mir die lyrischen Klangkommentare von High-End-Zeitschriften („feinkörnig und eher stringent“) aber sparen möchte.

Britischer Thorens TD 124/II mit Zink-Schwungteller CB 788

Anzumerken ist noch, dass das antimagnetische Schwungrad CB 788 des britischen Thorens TD 124/II sich hier nicht als klingelnder Klangverhinderer erwies, obwohl dies dem Zinkteller gegenüber der gusseisernen Normalversion nachgesagt wird und ich dies in meinem Werk Schweizer Präzision auch begründet habe. Wegen ihres starken Magneten lassen sich die auf der Insel unter HiFi-Freunden weit verbreiteten Decca-ffss-Tonabnehmer auf dem gusseisernen Teller nicht betreiben. Der Londoner Thorens-Importeur Metro Sound hatte deshalb das Schweizer Laufwerk für den englischen Markt grundsätzlich ab Werk mit dem CB 788 bestellt. Was in angelsächsischen Ländern zur immer wieder geäußerten, aber irrigen Auffassung führt, die graue Version des Laufwerks sei serienmäßig mit dem leichteren Zinkteller (Leuchtstroboskopkontrolle nur bei 33 ⅓ U/min) geliefert worden.

Hier wieder ein paar wunderbare Fotos zu dem Text:

Neuer Transformator im PS 15-E
Geöffnete Unterseite der Basis mit „Innenleben“

Und hier noch mal der nun fertige Thornes TD 124/II. Und vielen Dank an Herrn Joachim Bung! Schön, dass es weiterhin Menschen gibt, die solche tollen Produkte für die Zukunft bewahren…und weiterhin nutzen, denn, das kann ich selbst bestätigen, viele Klassiker sind heute noch mehr als mur hörenswert.

1 Startklar: der restaurierte TD 124/II mit Miniconic-Kombination

Hier noch mal mein Tipp zu dem Standardwerk zum Thema von Joachim Bung:

Schweizer Präzision von Joachim Bung

Waren schon die ersten beiden Auflagen dieses Buches weit mehr als nur ein Werk über den bekannten Thorens TD 124 Reibradspieler, ist die revidierte 3. nun so umfangreich, dass es gleich 2 echte Prachtbände wurden. Auf insgesamt fast 1000 großformatigen Seiten stellt Joachim Bung mit fast 2000 Abbildungen und Fotos nicht nur die bekannten Thorens Laufwerke und deren historisch mit diesen im Wettbewerb stehenden Produkte von Garrard, Lenco und Co. dar, sondern er zeigt auch eine unglaublich faszinierende Übersicht über sehr viele Hifi-Geräte dieser wunderbaren Ära auf.

Die Texte machen schnell deutlich, dass hier ausnahmslos wahre Kenner und zugleich echte Musikliebhaber am Werk waren. Menschen, die zudem auch heute noch, wie ich selbst, mit Thorens Laufwerken und manch anderem klassischen Gerät aus dieser Zeit zuhause wundervoll Musik genießen. Ich konnte diese tollen Bücher gleich beim ersten Durchblättern schon nicht mehr aus den Händen legen und merkte nicht einmal, dass es schon tiefe Nacht war, als ich schließlich zum ersten Mal wieder von den Büchern aufsah. Lustiger Weise war ich gerade auf Seite 114 von Band 1 und erblickte dort den Thorens TD 124 mit SME 3009 und SPU von Robert Thorens in der identischen Lichtstimmung, in der mein eigener TD 121 mit SME 3009 und einem SPU nur wenige Meter vor mir stand. Gelebte Geschichte…

Was die Bücher zudem nicht nur für Liebhaber klassischer analoger Wiedergabegeräte interessant macht, sind zum einen die zahlreichen wundervollen Fotos, zum anderen aber insbesondere auch die vielen klassischen Werbungen, Beschreibungen und ausnahmslos ausgezeichnet recherchierten Hintergründe dieser vielfach auch heute noch klanglich absolut wettbewerbstauglichen Geräte. Ganz egal ob Thorens, EMT, Garrard, Quad, Ortofon, Leak, Scott und Co, alle sind es wert erhalten, genutzt und weiterhin „gehört“ zu werden. Vielleicht heute mehr denn je, denn was gibt es nachhaltigeres, als Dinge zu bewahren und nicht durch immer neue mit zudem meist immer kürzeren Lebenszyklen zu ersetzen?

Es ist wirklich beeindruckend, mit welchem unglaublichen Gespür die Zeit mit ihren Produkten durch die Bilder und Texte gleichermaßen kompetent und interessant wiedergegeben wird. Eine Zeit, in der sich übrigens die Hersteller noch gegenseitig durch immer bessere Produkte zu übertreffen versuchten, wo Qualitätsführerschaft vor einer Preisführerschaft stand. Eine Zeit, in der man Geräte im täglichen Leben ganz bewusst kaufte, um sie nicht selten viele Jahrzehnte zu nutzen.  Ein Anspruch, den ich heute bei vielen Produkten leider vermisse, egal in welchen Bereichen.

Nein, früher war nicht alles besser, aber der Fokus war damals ein anderer und ein besserer. Heute gibt es wieder einige wenige meist kleinere Hersteller und Manufakturen, die auch wieder so denken und arbeiten und deren Ergebnisse zeigen, dass es auch heute noch möglich ist, absolut phantastische Produkte zu bauen, die eine so hohe Qualität besitzen, dass man sie nicht immer gleich gegen vermeidlich „bessere“ Nachfolger austauschen will. Ganz egal, ob der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte, Uhren, Kleidung, Möbeln, Musikinstrumenten oder auch Musikwiedergabegeräten. Daher waren wohl einige Ansichten in Bezug auf den eigenen Konsum und dessen tatsächliche Notwenigkeit früher vielleicht doch besser.

Und man muss ehrlich zu sich sein: Wer sich heute unvoreingenommen mit den Geräten aus dieser Zeit beschäftigt, sich auf diese offen einlässt und sie in einem technisch adäquat ausgesuchten Umfeld hört, wird sicherlich früher oder später zu einem Punkt gelangen, an dem (auch) er sich fragen wird, wie viele der Entwicklungen, die diesen Geräten zeitlich nachfolgten, aus klanglicher Sicht, aber erst recht aus der Sicht der wunderbaren Vermittlung musikalischer Inhalte, wirklich einen „Fortschritt“ darstellten oder sie doch nicht selten eher nur der jeweiligen Mode und der zum Teil maßlosen Steigerung von immer neuem Konsum dienten.

Nahezu alle Geräte dieser Ära sind, wenn sie nicht mutwillig zerstört werden, in der Regel immer reparabel. Wie viele technische Geräte in unserem täglichen Leben kennen Sie, bei denen Sie das auch heute noch behaupten können? Früher war es einfach nur normal gelebte Nachhaltigkeit, erwachsen aus dem da noch bestehenden Selbstverständnis im Umgang mit Ressourcen und der Setzung des Schwerpunktes auf Qualität und nicht nur auf schnelle Gewinne. 

Diese beiden Bände sind daher für mich viel mehr als nur die wunderbare Darstellung der Geräte, den Menschen dahinter und deren Geschichten. Sie sind ein Beweis dafür, dass schon seit einiger Zeit in der Wirtschaft und unserer Gesellschaft einiges nicht mehr so ganz optimal läuft und wir nicht selten die eigentlich wichtigen Dinge und Fragen aus den Augen verloren haben. Oder glauben Sie vielleicht, dass es in 50 Jahren ein 1000-seitiges Buch über Produkte der heutigen Zeit geben wird, egal welcher Branche?

Wir leben in einem Zeitalter größter Veränderungen, einer ständig steigenden Komplexität und persönlichen Belastung, schwindenden Gewissheiten und großen Unsicherheiten. Mein Thorens ist nun rund 55 Jahre alt, erfreut mich weiterhin täglich und ich glaube, nein, ich bin mir sogar ganz sicher, dass er auch meinem Sohn und seinen Kindern noch Freude bereiten wird, wenn sie es denn wollen. Und genau hier scheinen sich viele Dinge bei der jüngeren Generation aktuell wieder zum positiven hin zu ändern. Weniger blinder massenhafter Konsum und wieder mehr Qualität und weniger sinnlose Quantität…Allein der täglich von uns allen produzierte Müll nimmt ständig zu. Jedes Gerät, das reparabel ist, durchbricht diesen für die Umwelt so schädlichen Vorgang. Das ist gelebte Nachhaltigkeit ohne eine wie auch immer geartete Einschränkung in der Nutzung.  

Ich glaube, wir alle sollten daher die sich geänderten Wünsche unserer Kinder nicht nur im Bereich unseres eigenen heute vielfach an Wahnsinn erinnernden Konsumverhaltens endlich wieder ernst nehmen. Und vielleicht werden sie dann selbst in 10, 20 oder noch mehr Jahren unsere so liebgewonnen Geräte so schätzen, wie wir es heute schon tun. Sie haben es verdient.

Ich denke, Sie verstehen, was ich meine. Und ich lege nun eine Platte auf…

Mehr dazu erzähle ich Ihnen in meinem Videobericht vom 29.11.2020 https://www.youtube.com/embed/xTKq5dusBoQ?feature=oembed

Viel mehr als nur ein Werk in zwei Bänden …kommentiert Claus Volke, Musikliebhaber, langjähriger HiFi- und High-End-Tester sowie Autor, Schweizer Präzision in einem sehr persönlichen Statement – und macht sich über Nachhaltigkeit und die Wegwerfmentalität heutiger Tage Gedanken. (www.joachim-bung.de)

Hier noch die notwendigen Informationen und die Kontaktdaten.

Informationen:

Preis: 198 EUR für das zweibändige Werk im Schuber einschließlich Mehrwertsteuer

Versand in doppelwandigem Karton als versichertes Paket:
Deutschland: 12 EUR
EU-Länder: 26 EUR
Schweiz: 26 EUR (39 EUR abzüglich 13 EUR Mehrwertsteuer)

Kontakt Vertrieb:

Verlag Joachim Bung

Stichelwiese 2 b 61389 Schmitten GERMANY

Tel. +49 (0)6084-3764 mail@joachim-bung.de

www.joachim-bung.de

Und hier noch mal mein Bericht dazu im Video: