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Mein Hörtipp: Sitkovetsky Trio: Beethoven Klaviertrios Vol. 2 – Op.1 Nr. 2 & Op. 97 „Erzherzogtrio“

Die drei Klaviertrios op. 1 aus den Jahren 1794/95 zeigen deutlich auf, wie Ludwig van Beethoven seinen Weg von der damals in diesem Bereich vorherrschenden Salonmusik hin zu einer Art modernen Form eines „Streichquartetts“ durch seine Klavier-Trios vollzieht.

Das Sitkovetsky Trio mit Alexander Sitkovetsky an der Geige, Isang Enders am Cello und Qu Qian am Klavier hat nun mit dem Trio in G-Dur (op 1, Nr. 2) ein wunderbar leichtes, heiteres Werk mit ganz vielen kleinen wunderbaren kompositorischen Überraschungen auf ihrem neuen Album eingespielt.

Und es ist ein Meisterwerk, denn die Weiterentwicklung der Klaviertrioliteratur zeigt, wie weit Beethoven wieder einmal in die Zukunft zu denken fähig war. Es zeigt aber auch, wie seine (noch) jugendliche Unbekümmertheit bereits auf die tiefen emotionalen Wendungen der späten Lebensjahre reagiert. Trotz der schweren späteren Lebensjahre blitzt jedoch auch dann immer wieder eine für den späteren Beethoven so typische besondere Form einer Art intimen Fröhlichkeit auf.

Nein, da ist keine „Salonmusik“ und, so viel darf man wohl sagen, diese Trios sind von einer enormen inneren Schönheit geprägt, die wiederum durch eine kompositorische Bandbreite deutlich wird, die es mit einem viel größeren Klangkörper vergleichbar macht. Man vergisst häufig, dass hier nur 3 Musiker:innen spielen, so dicht, organisch und komplex, und gleichzeitig doch ungemein leicht und harmonisch fließend erklingt diese Musik.

Wieder einmal zeigt ein Werk von Beethoven, dass dieser nicht nur immer sehr genau wusste, wo er mit seinen Kompositionen hinwollte, wie er die Entwicklungen der Zukunft sah, sondern auch mit welcher enormen Genialität er dies mit großer Sicherhheit umzusetzen wusste, denn 1794/95 zeigte er mit den 3 Klaviertrios op. 1 nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft dieses Genres auf.

Bei der ersten öffentlichen Aufführung des zweiten Werks auf der CD, dem Klaviertrio in B-Dur, op. 97, das Beethoven dem Erzherzog Rudolph von Österreich widmete (daher auch: „Erzherzogtrio“), im Jahr 1814, saß der Komponist noch selbst am Klavier. Es sollte der letzte öffentliche Auftritt des bereits stark ertaubten Beethoven als Pianist sein.

Und das Sitkovetsky Trio?  Es spielt beide Klavier-Trios so, wie Beethoven sie geschrieben und deren Aufführung sicher auch gedacht hatte. Mit großer Energie, ungemeiner Spielfreude, innerer Spannung und einem schier unermesslich erscheinenden Klang- und Tonfarbenreichtum, dass es einen tief in die Musik zieht. Grob- und Feindynamisch ist diese Aufnahme sowohl musikalisch, interpretatorisch als auch klanglich einfach ein absoluter Traum.

Die hervorragend aufgenommene CD mit einer Spieldauer von 80:20 (!) min ist der zweite Teil mit Einspielungen von Trios (Teil 1 mit wundervollen Trios von Ravel und Saint-Saëns ist schon erschienen und ebenfalls eine Empfehlung wert! [BIS-2219]). Teil 3 wird im Sommer/Herbst 20924 erwartet.

Eine CD für Liebhaber, Entdecker und allen Menschen, die für 80 min der aktuell so hektischen und immer häufiger als „hässlich“ empfundenen Welt da draußen entfliehen, und in einem Kosmos höchster musikalischer und kompositorischer Ästhetik eine fast schon wundersame Transformation durchleben wollen.  

Grandios!

https://www.youtube.com/@sitkovetskytrio

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