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Meine Musikempfehlungen für Weihnachten 2020

Es war ein ganz besonderes Jahr. Wir alle wissen, dass die Pandemie unser gesamtes Leben völlig umgekrempelt hat. Während ich diese kleine persönliche Liste verfasse, ist so z.B. noch nicht abzusehen, wie wir alle Weihnachten in diesem Jahr feiern können.

Wir alle können aber sicher auch in diesem Jahr im Kreise unserer Familie gemeinsam das Weihnachtsfest erleben. Und dazu gehört zumindest in unserer Familie einfach Weihnachtsmusik. Wir sind großer Liebhaber unterschiedlichster Weihnachtsmusik und spätestens am ersten Advent werden diese mit großer Vorfreude aus ihren Kisten geholt. Mittlerweile sind es über 500 CDs/LP und es werden jährlich mehr.

Viele Menschen mögen keine Weihnachtsmusik. Ich glaube aber, dass dies nicht selten nur daran liegt, dass sie im Alltag immer wieder die gleichen Lieder hören (müssen). Dabei ist die Vielfalt so unendlich groß und es gibt so unglaublich wunderbare Musik für die Adventszeit, dass ich das noch nie verstehen konnte.

Ich liebe Musik und zur Weihnachtszeit ist sie sogar noch ein klein wenig wichtiger…

Wie bei allen meinen Einträgen in diesem Blog, handelt es sich bei dieser ganz kleinen Liste wieder nur um meine rein persönlichen Empfehlungen. Aber vielleicht ist ja etwas dabei, dass Sie und Ihre Familie ein wenig mehr in Weihnachtsstimmung versetzen kann, gerade in diesem so ungewöhnlichen Jahr, das insbesondere von menschlicher Distanz und weniger persönlichen Kontakten geprägt war und leider noch immer ist.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls schon jetzt eine wundervolle Advents- und Weihnachtszeit und viele zwischenmenschliche Begegnungen und Wärme!

Martina Noichl: Harfenträume für Rauhnächte, Brilon Musik, Mehr Infos: www.martinanoichl.de

Als Rauhnächte werden die zwischen dem 25. Dezember und dem 06. Januar bezeichnet. In einigen Regionen zählt auch die Adventszeit mit dazu. Die Harfenistin Martina Noichl erzählt auf dieser CD eine Art kleine Geschichte, deren Kapiteln „Auf dem Weg“, „Die heilige Nacht“, „Wiegenlieder“, Festfreunde“ und „Ausklang“ betitelt sind. In diesen werden jeweils verschiedene Stücke von ihr in einer sehr persönlichen und intensiven Art mit den elegisch wirkenden Klangfarben ihrer Instrumente interpretiert. Sie spielt bei den Aufnahmen 2 sehr verschiedene Harfen. Eine Einfachpedalharfe des Osttiroler Harfenbauers Peter Petutschnigg und eine irische Schoßharfe, die von ihrem Vater Sepp Noichl gebaut wurde.

Eine CD, die wir in unserer Familie schon ab Ende Oktober gerne hören. Sie enthält keine klassischen Weihnachtslieder, aber dennoch weihnachtliche Musik, die diese dunkle, kalte und häufig einfach ungemütliche Jahreszeit sofort ein wenig heller und wärmer erscheinen lässt. Gerade in diesem besonderen Jahr 2020 eine wunderbare Möglichkeit, wieder etwas mehr zur inneren Ruhe zu kommen. Ein feinmusikalisches und intimes Meisterwerk, das die tiefe Stille der Jahreszeit aufnimmt und vertreibt.

Jul Pa Norska und Jul Pa Svenska, beide: Georg Wadenius, Arild Andersen und Jan Lundgren, Edel Company

Die beiden CDs sind 2013 erschienen aber die erste, Jul Pa Svenska wurde schon 2009 produziert. Verantwortlich als Produzent zeichnet sich ebenfalls Georg Wadenius. Aufgenommen und abgemischt wurden beide Alben übrigens in den weltbekannten Rainbow Studios in Oslo.

Die beiden CDs wirken musikalisch wie ein zusammenhängendes Werk und so kann man sie auch hören. Es ist einfach: Gitarre, Bass und Klavier und Musiker mit jahrzehntelangen Erfahrungen in verschiedensten Besetzungen. Wunderbare Musik, eine geradezu intime Atmosphäre und eine schon fast unwirklich erscheinende tief emotionale Stimmung. Kein unnötiges Virtuosentum und kein in den Vordergrund stellen. Alle drei Musiker stellen sich nicht nur ganz in den Dienst der winterlichen und weihnachtlichen Musik aus dem hohen Norden, sondern wirken in ihrem Zusammenspiel fast schon schüchtern. Wenige sehr bewusst gesetzte Töne und ein reduzierter Stil verströmen eine geradezu magische Stimmung.

Dass aus den Rainbow Studios zudem immer etwas klanglich Herausragendes kommt, führt nur zu einer noch größeren Empfehlung. Für mich zwei der schönsten musikalischen Weihnachtsreisen in kleiner (Jazz-) Triobesetzung, ohne jegliche Klischees und mit zeitloser Eleganz.

 

Verleih uns Frieden gnädiglich, Hille Perl, Anna Maria Friman, Lee Santana, Sirius Viols, 2011 Deutsche Harmonia Mundi

Diese im Jahr 2011 veröffentlichte CD ist fester Bestandteil unserer musikalischen Weihnachtsvorbereitung und Adventsbegleitung.

Hille Perl zeigt in Ihrem Vorwort auf, mit welchen großen und zum Teil Bedrohungen und Unsicherheiten wir alle in unserem Leben konfrontiert werden. Sie weiß neben einer sehr gut nachvollziehbaren Kritik an der zunehmenden Technisierung so u.a. auf die Klimakatastrophe hin und obwohl diese auch schon im Jahr 2011 die Welt bedrohte, hat sie heute sich noch einmal extrem verschärft. Der Wunsch der Musiker/innen das Bedürfnis der Menschen nach Besinnung und Einhalten zu erfüllen klingt im Jahr 2020 wichtiger als vor noch wenigen Jahren.  

Ich bewundere die Arbeit der Musiker/innen in allen ihren verschiedenen Besetzungen, geprägt wohl in nicht geringem Maße durch Perl (Violas da Gamba) und/oder Santana (Laute). Spiegelt diese doch tatsächlich den Wunsch nach Frieden, nach Zeit für sich und solche mit der Familie wieder.

Und die Suche nach Kompositionen, die vor Schönheit und Klarheit strahlt, war erfolgreich. Eine wirklich tief beruhigende und emotionale Beschäftigung mit diesem Thema, das auch vor und nach Weihnachten nicht an Bedeutung verlieren darf. Wichtiger Bestandteil dabei ist die ausgesprochen klangschön singende Anna Maria Friman, Sopran. Die von vielen ECM Aufnahmen bekannte schwedische Sängerin ist mit ihrer extrem klaren und zugleich emotional bewegenden Stimme hier die kongeniale Partnerin.

Eine Aufnahme die eigentlich keine Weihnachtsplatte darstellt und das ganze Jahr gehört werden kann. Gleichwohl ist sie für viele eine willkommene Alternative im Angebot der häufig schlechten Weichnachts-CDs. Eine Entdeckung einer musikalischen Harmonie voll Wehmut aber ohne Schmerz. Gerade vielleicht auch deshalb, weil u.a. wohl größtenteils eher unbekanntere Werke des 16. und 17 Jahrhunderts zu Gehör gebracht werden. Eine Auseinandersetzung mit den Notenthemen und den Kompositionen die an Ausgewogenheit und innerer Ruhe und fast schon meditativer Konzentration.

Ein zeitloses und wahrlich friedvolles Klangkunstwerk.

Jul, Jul Nordische Weihnacht, Lisa Tjalve und Miriam Klein Strandberg, Villa Artis, 2005

Eine CD mit den beliebtesten Weihnachtsliedern aus Schweden, Dänemark und Norwegen, interpretiert von der Harfenistin Miriam Klein Strandberg und der Sopranistin Lisa Tjalve. Einige bekannte, einige wohl eher unbekannte Stücke, gesungen in den jeweiligen Landessprachen.

Ich mag diese konturenscharfen und doch sehr innigen Interpretationen und die zum Teil fast elfenhaft erklingende schlanke Tongebung und Leichtigkeit, begründet nicht zuletzt durch die besondere Kombination von Sopran mit Harfe. Man merkt sofort, dass beide Frauen hier völlig gleichberechtigt und mit wirklich große Freude gemeinsam musizieren. Fast schon ein wenig überraschend, wie intensiv und von einer großen Klarheit beseelt hier Instrument und Stimme miteinander im Einklang musizieren und erstaunlich groß wirkende Klangwelten entstehen lassen.

Geprägt von einer tief empfundenen Ruhe und der Fähigkeit auch ganz leise in diesem musikalischen Dialog miteinander zu kommunizieren, stimmt diese CD jeden auf die mit Weihnachten in Verbindung stehenden Empfindungen ein, wenn er sich darauf einlässt.

God Jul!

Silent Night, Early Christmas Music and Carols, Ariann Savall und Pette Udland Johansen, Hirundo Maris, 2018, deutsche harmonia mundi

Nur ein weiteres Album mit alter Weihnachtsmusik? Ganz klar: Nein!

Die beiden Stimmen, Arianna Savall (Sopran und Harfe) und Petter Udland (Tenor), entführen uns direkt in einer Art mystischen Reise in eine Welt, die geprägt ist von Schönheit, Stille, der Natur und dem Winter mit allen seinen auf den ersten Blick nicht immer so klarwerdenden Facetten.

Die Lieder haben zum Teil volkstümliche und uralte Wurzeln in den verschiedenen europäischen Ländern. Diese inspirierende klangliche Tour führt uns vom hohen Norden bis tief in den Süden unseres Kontinents und gibt uns einen hörbaren Eindruck der unterschiedlichen Weihnachtsbräuche und -traditionen von Norwegen bis Spanien.

Produziert übrigens von Jonas Niederstadt, der seit einigen Jahren auch mit seinem eigenen Label Carpe Diem https://carpediemrecordsberlin.bandcamp.com/ ausnahmslos herausragende Werke auf den Markt bringt. Alle CDs und LP des kleinen feinen Labels sind auch klangtechnisch ausnahmslos herausragend.

Wundervolle Musik für ruhige und friedliche Winterabende.

Le noel abstrait, by raphael marionneau, Universal, 2 CD

Eine musikalische Zusammenstellung für Weihnachten, ausgewählt von dem französischen Lunge Spezialisten Raphael Marionneau, bekannt u.a. als der Kopf hinter I´été abstrait, le classique abstrait, le café abstrait usw.

Chillout music for christmas. Wie immer hervorragend produziert und zusammengestellt. Für Menschen, denen die immer gleiche Weihnachtsmusik schon seit Jahren nichts mehr sagt und die auch oder gerade während der Feiertage entspannen wollen. Für Fans ohnehin ein Muss.

Eine andere musikalische Untermalung der Feiertage aber eine absolut spannende, die es verdient, entdeckt zu werden.