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Mein Hörtipp: Noriko Ogawa und Michael Collins: „ La clarinette parisienne“

Mein Hörtipp: Noriko Ogawa und Michael Collins: „ La clarinette parisienne“

Im 18. und weiten Teilen des 19. Jahrhunderts wurde das Musikrepertoire für Klarinette wohl im Wesentlichen durch solche aus dem deutschen Sprachraum bestimmt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden so z.B. in Frankeich schließlich hier eigene Werke komponiert. Einen spannenden Überblick darüber bietet diese neue CD mit dem Klarinettisten Michael Collins und der Pianistin Noriko Ogawa. Gemeinsam spielen sie Kompositionen von Claude Debussy, Charles-Marie Widor, Camille Saint-Saens, André Messager, Henri Rabaud und Francis Poulenc. Beim ersten der beiden hier eingespielten Werke von Poulenc: „Sonata for two Clarinets“, wird Collins von Sérgio Pires an der zweiten Klarinette begleitet.

Interessant ist vielleicht, dass die Stücke von Debussy, Widor, Messager und Rabaud als Prüfungs- und Wettbewerbsstücke für das „Pariser Conservatoire“ komponiert wurden. So sollte übrigens u.a. nach dem Deutsch-Französischen Krieg auch eine neue kompositorische Unabhängigkeit von Deutschland in der Musik erreicht werden.

Michale Collins ist als Klarinettist weltweit bekannt, insbesondere als Solist. Daneben ist er als Dirigent tätig und spielt als erfahrener Musiker mit den größten und besten Orchestern zusammen. Sein besonderer persönlicher Einsatz gilt aber der Förderung des klassischen Klarinettenrepertoires und er spielt dieses so oft es nur geht, so u.a. für die BBC Proms oder das Edinburgh Festival.

Noriko Ogawa wird seit langem schon von der Fachpresse für ihr ungemein poetisches Spiel gelobt und gilt als eine der Expertinnen für die Musik von Claude Debussy. Zudem ist sie als Rezitalistin und Kammermusikerin gefragt und setzt sich u.a. sehr für „Neue Musik“ ein. Sie war daher z.B. an Uraufführungen mit Werken u.a. von Toru Takemitsu, Dai Fujikura und Graham Fitkin beteiligt und engagiert sich persönlich und leidenschaftlich für karitative Zwecke, so u. a. als Kulturbotschafterin der National Autistic Society (GB) und als Gründerin der „Jamie´s Concerts“ für autistische Kinder und ihre Eltern.

Die hier musizierenden Solist:innen sind technisch über jeden Zweifel erhaben. Gerade aber aus diesem Grund heraus besteht die Gefahr eines „Wettbewerbs“ untereinander, was bei nur zwei Instrumenten zu einer herausfordernden oder sogar nervenden Sache werden kann. Nicht so hier. Collins und Ogawa hören sich zu, respektieren den anderen und lassen ihm den notwendigen Raum. Sie interagieren und brillieren, ohne dabei den anderen zu dominieren oder gar zu „überspielen“. Die Klarinette übernimmt dabei eine Art Gesangspart, denn so wirkt sie auf die Zuhörer:innen: Wie die Stimme bei einem intimen Liederabend.

Die Darbietungen aller Stücke haben eine fließende Bewegung und durch viele kleine und große Dynamiksprünge interagieren die Musiker:innen in so faszinierendem Maße, dass die luftig-harmonische Grundstimmung  von einer inneren Spannung getragen wird. Die Klangfarben sind kräftig und die musikalischen Strukturen scharf umrissen und klar definiert. Es macht einfach Spaß zuzuhören.

Die ausgewählten Werke sind sehr unterschiedlich und die Solisten daher immer aufs Neue gefordert. Diese Vielfalt bietet aber zugleich viele neue Möglichkeiten und Räume für Interpretationen. Die Darbietungen sind individuell und zum Teil trotz oder gerade wegen ihrer, zumindest so wirkenden Einfachheit, enorm sinnlich. Verträumte Passagen wechseln sich ab mit vor Spontanität nur so sprudelnden Teilen. Ja, man kann sagen, dass Ästhetik ganz offensichtlich auch eine wichtige Rolle spielt und diese durchweg und umfassend ausbalanciert dargeboten wird.

Gerade die Klarinette zeigt u.a. durch klangliche und dynamische Sprünge und einem Wechsel von schnellen und lauten, zu ruhigen melodischen Passagen, zu welchen fast schon „Kapriolen“ sie fähig ist. Dies ist jedoch keine Virtuosen-Prahlerei, es gehört einfach mit zur Musik und der Vorstellungen der Musiker:innen von der klanglichen und interpretatorischen Umsetzung der kompositorischen Inhalte. Dies gilt insbesondere auch für das Stück von Poulenc, bei dem Sérgio Pires als zweiter Klarinettist brilliert.

Die SACD ist in diesem Jahr neu erschienen, die Aufnahme erfolgte aber bereits im November 2019. Klanglich ist es bei dem schwedischen Label BIS eigentlich nie eine Frage, ob es gut klingt. Dies gilt besonders für die SACD Spur der sehr räumlich wirkenden und warm timbrierten Aufnahme, was insbesondere bei der Besetzung und der Verwendung eines großen Steinway D von großem Vorteil für Bereitschaft der Zuhörer:innen ist, sich in die Aufnahme hinziehen zu lassen.

Dieses Album zeigt erst dann seine ganze Tiefe, Komplexität und große Emotionalität, wenn man ihm wirklich „zuhört“. Keine Hintergrundplatte, aber eine, die Menschen mit wunderbaren harmonischen Empfindungen belohnt.

Unbedingt anhören! Sehr empfehlenswert und in der heutigen hektischen, temporeichen, lauten und permanent von einer massiven Soundatmosphäre geprägten „Beschallung“, eine wohltuende Chance sich für die Spieldauer der CD in eine von menschlicher Wärme und spannungsgeladenen Empfindungen geprägte Klangreise hineinfallen zu lassen. Musik kann das und ganz besonders dieses wundervolle Album.

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Hier noch ein paar interessante Links zu den Musiker:innen und dem Label sowie ein Youtube Klang-Tipp:

Noriko Ogawa

https://www.norikoogawa.co.uk/

Michael Collins

http://www.michael-collins.co.uk/page-sets/biography.html

Sérgio Pires

https://de.sergio-pires.com/

BIS-Label

https://bis.se/

Vertrieb: Klassik-Center

https://classicdisc.de/

Neue Single von Graham Candy: „Keep On Smiling“

Neue Single von Graham Candy: „Keep On Smiling“

Der in Berlin lebende, ursprünglich aus Neuseeland stammende Singersongwriter Graham Candy spricht mit seinem Alternative-Indie-Pop ganz unterschiedliche Hörer aus unterschiedlichen Musik-Genres an. 2014 kollaborierte er mit Alle Farben – sein Durchbruch.
„Es war meine Absicht, die großen, schnellen Sounds von Berlin mit dem akustischen Lagerfeuer-Feeling von Neuseeland zu mischen. So kommen meine beiden Welten zusammen.“
Graham Candy

Graham Candy ist ein in Berlin lebender Künstler mit neuseeländischen Wurzeln. Enorme Bekanntheit verschaffte ihn seine Zusammenarbeit mit Alle Farben. 2014 schoss „She Moves“ an die Spitze der Charts und verschaffte ihm mit seinen schrulligen, hochfrequenten Vocals Aufmerksamkeit. Resultat: Der Song wurde zur Platin-Single. Seine weiteren Kollaborationen mit Parov Stelar, Robin Schulz, Deepend und Thomas Gold brachten ihm sowohl in Europa als auch in den USA eine große Fangemeinde ein.

Mit seinem Album „Plan A“ (2016) schuf Candy ein Paradebeispiel für seinen vielfältigen Musikstil, dessen Bestandteil auch immer intime, eingängige Texte sind. Das Album nahm er mit dem Produzententeam Feeling Valencia auf, aus dessen Feder auch seine von der Kritik hochgelobte EP „Holding Up Balloons“ stammt. Candy tourte bereits ausgiebig durch Europa und spielte vor Zuschauermassen auf Festivals wie Glastonbury, Sziget und Rock im Park. Auf Festivals wie Tomorrowland, Melt und Lollapolooza animierte Candy das Publikum zum Tanzen.

Kürzlich sind die Singles „Belong“, „Aroha“ und der „Belong“-Remix von Deepend erschienen. Am 30.7. folgte die Single „Find My Way“ und nun erscheint als letzte Veröffentlichung vor der gleichnamigen EP (Oktober, V2 Records) die Single „Keep On Smiling“.

Heute mal etwas mehr Musik: 5 neue tolle Blues-Alben!

Heute mal etwas mehr Musik: 5 neue tolle Blues-Alben!

Das legendäre Blues-Label Dixie Frog Records veröffentlicht im Herbst gleich fünf aufregend-spannende Alben aus der reichhaltigen und variantenreichen Welt der Blues-Musik.

Super Soul Bros. – „Shadows & Lights“


Das Sextett The Super Soul Brothers spielt charismatischen, kraftvollen Blues/Blues Rock mit französischem Touch. „Shadows & Lights“ ist das Debütalbum der Band aus der Nähe von Biarritz im Südwesten Frankreichs.


Die Super Soul Brothers sind die Daddies des Riffs, des Shuffle, des Southern Swing und des Backbeats. Allesamt echte ‚Sons of Memphis‘. Sechs erfahrene Interpreten rollen ihren reinen Stax/Atlantic-Stil zu einem tiefgründigen Deep Soul aus, getragen von einer heißen und groovigen Basis, einem V8-klingenden Drumbeat, der eindringlichen Posaune und nicht zuletzt dem charismatischen und kraftvollen Gesang. Mit ihren Zoot-Anzügen, schwarz-weißen Derbys und dunklen Brillen kennen die Super Soul Brothers die bedeutsame Geschichte und alle Tricks des ehrenvollen old-fashioned Soulman-Handwerks.

Die Band schreibt und komponiert während des globalen Lockdowns, ihr Debüt-Album „Shadows & Lights“ ist das Resultat. Über diese Kreation entsteht das neue Live-Programm „Soul Revue“, mit dem die Super Soul Brothers im kommenden Jahr die touren werden. Doch bevor die Tourbusse rollen, unterschreiben sie beim renommierten französischen Blues-Label Dixie Frog, auf dem nun am 24.9. die Kreation „Shadows & Lights“ in den Formaten CD und LP das Licht der Welt erblickte.

Circle of Mud – „Circle of Mud“

Circle of Mud haben sich eins auf die Fahne geschrieben: Sie wollen den klassischen Blues, der sie so sehr fasziniert, ins 21. Jahrhundert transportieren und damit einer völlig neuen, jungen Generation zugängig machen. Wie dies gelingt, ohne die Ursprünge außer Acht zu lassen, zeigt das Quartett aus Flo Bauer, Gino Monachello, Franck Bedez und Matthieu Zirn auf dem am 22.10. auf Dixie Frog (CD & LP) erschienenen gleichnamigen Debüt-Album.


Natürlich macht es keinen Sinn, zu versuchen, die legendären Blueser zu kopieren oder zu imitieren, die als Meister dieses Genres in die Musikgeschichte eingegangen sind. Statt eine halbherzige Kopie abzuliefern, interpretiert „Circle of Mud“ den Blues von einem ganz persönlichen Standpunkt aus neu. Und das mit einer modernen Note. Das Projekt wurde vom Gitarristen Gino Monachello und dem jungen Sänger und Gitarristen Flo Bauer ins Leben gerufen, mit Matthieu Zirn am Schlagzeug und Franck Bedez am Bass, produziert und aufgenommen im Studio von David Husser.

Ihre Musik ist sowohl traditionell als auch zeitgenössisch, stark und für ein universelles Blues-Publikum zugänglich. Das Debütalbum von „Circle of Mud“ will die Blueswelt aufrütteln und deren Türen einer neuen Generation von Bluesfans öffnen… Prüfen Sie selbst, ob dem Quartett dies gelingt.


Joe Barr w. Breezy Rodio – „Soul for the Heart“

„A voyage from the original soul, to a modern R&B full of soul“, beschreibt der in Chicago geboren und aufgewachsene Blueser seinen musikalischen Ansatz. Seit Jugendjahren bewegt sich der stattliche Barr in der Blues-Szene der Metropole an den Great Lakes. Jetzt veröffentlicht er sein Album „Soul for the Heart“ auf Dixie Frog (22.10., CD & LP).


Seit 2007 bespielte Barr die Blues-Bühnen der Stadt. Nach einem dieser Gigs, die sich schnell eines legendären Rufes erfreuten und nicht selten bis in die frühen Morgenstunden reichten, trafen Barr und Breezy Rodio aufeinander. Letzterer spielte ebenfalls mit seiner Band. Am Ende standen beide Combos gemeinsam auf der Bühne, jammten und entdeckten ihre großartige Chemie. Nach weiteren gemeinsamen Auftritten war die Idee zu einem gemeinsamen Album geboren. So kam es, dass „Sould for the Heart“ in den Joyride Studios in Chicago aufgenommen wurde. Zur Besetzung gehörten „Big“ Lewis Powell am Schlagzeug, Johnny Reed am Bass und der fabelhafte Chris Foreman vom Blues Organ Trio an der Hammond B3. Gemischt und gemastert wurde das Album von Pete Galanis und Breezy Rodio.


Phillip-Michael Scales – „Sinner-Songwriter“

B.B. Kings Neffe präsentiert seine ansprechende Americana-Blues-Roots-Mixtur „Sinner-Songwriter“ ab dem 29.10. auf CD und LP. Das legendäre Blues-Label veröffentlicht das Album des in Detroit geborenen, musikalisch in Chicago aufgewachsenen und heute in Nashville lebenden Künstlers. Es ist das Debüt-Werk dieses interessanten Mannes, der ohne falsche Zurückhaltung in die großen Fußstapfen seines Onkels trifft. Phillip-Michael Scales mischt die hingebungsvollen, leidenschaftlichen Formeln und Sounds des Blues mit dem aus Indie Rock und Singer-Songwriter bekannten Techniken des Storytellings.


Scales wurde mit einer wilden, unabhängigen Ader und einer Leidenschaft für Live-Performances geboren. Er spielte Gitarre in eigenen Indie-Bands, schrieb und nahm seine eigene Musik auf. Sein Onkel ermutigte ihn zur Weiterentwicklung, und als Scales die Wurzeln des Blues in seinem privaten und persönlichen Leben entdeckte, wurde ihre Beziehung immer enger. Erst nach dem Tod seines Onkels begann Scales, den Blues stärker in seine Musik einzubeziehen. „Heutzutage finde ich viel von meiner persönlichen Geschichte im Blues wieder. Dieser hat mich an diesen Punkt meines Lebens geführt. Politik, meine Identität und natürlich das Erbe prägen meine Musik.“ Das Ergebnis ist ein Sound, den er „Dive Bar Soul“ nennt, mit der ein Indie-Rock-Storytelling und die Leidenschaft des Blues verbindet.

Natalia M. King – „Woman Mind of my own“
(VÖ: 5. November)

Die 52-jährige New Yorkerin Natalia M. King legt mit dem am 5.11 auf Dixie Frog erscheinenden Album (CD & LP) „Woman Mind of my own“ ihr erstes Blues-Album vor. Bisher hat die in Brooklyn geborene Künstlerin mit Jazz und Soul beachtenswerte Erfolge gefeiert. Nun ist für sie die Zeit gekommen, sich dem Blues zu widmen. Und dies gelingt ihr mit Bravour, da sie ihrer besonderen Herangehensweise, Stile und Elemente ineinanderfließen und zu einem einzigartigen Konglomerat verschmelzen zu lassen, auch bei diesem klassischen, altehrwürdigen Genre, treu bleibt. Abermals bestätigt sie sich damit als Wandlerin zwischen den Welten, die mit ihrer ureigenen kreativen Offenheit Neues schafft.


Das Album ist die Geschichte einer Pioniermusikerin mit großer Wirkungs- und Strahlkraft; mit einer fesselnden Stimme, die auf ihrem 6. Album erstmals das uralte, fast heilige Terrain des Blues, des Rhythm and Blues und der amerikanischen „Roots“-Musik betritt. Das wunderbare Gefühl der Wiederentdeckung eines musikalischen Ausdrucksvermögens macht sich über die neun Titel bemerkbar. Blues scheint das Puzzlestück in Kings Schaffen zu sein, welches ihre gesamte künstlerische Kraft zur Entfaltung bringt. 

Mit dieser sehr individuellen Sound-Patina, sorgfältig orchestriert von Gitarrist und Produzent Fabien Squillante, ist „Woman Mind of my own“ nie Retromanie. Im Gegenteil, es handelt sich um ein zeitgenössisches Werk, eine ganzheitliche Platte, die nicht aufhört, die Liebe zur Musik zu feiern und stilistisch moderne Elemente mit klassischen Strukturen zu kombinieren.

Mein Hörtipp: Schubert – Winterreise mit Peter Mattei (Bariton) und Lars David Nilsson (Klavier)

Mein Hörtipp: Schubert – Winterreise mit Peter Mattei (Bariton) und Lars David Nilsson (Klavier)

Die Winterreise, ein Zyklus von 24 Liedern für Klavier und Gesang. Geschrieben von Franz Schubert kurz vor seinem leider viel zu frühen Tod (1828) mit nur 31 Jahren. Ein Werk, dass wirklich jeden Menschen berührt und nicht selten sprachlos macht. In vielen Aufführungen durfte ich selbst miterleben, wie nach den letzten Tönen des Leiermanns für Minuten eine absolute und fast beklemmende Stille herrschte. Eine Stille, die ein wichtiger Teil der Musik und des Ganzen zu sein schien. Nach einer Aufführung ist eigentlich der sofort aufsteigende Applaus das, was man erwartet. Nicht so bei Schuberts Winterreise.

Der Liederzyklus gehört zu Werken der Musik, die den Menschen immer wieder mit den verschiedensten starken Gefühlen konfrontiert: Angst, Einsamkeit, Ehrfurcht und tiefe emotionale Traurigkeit, um nur einige zu nennen. Nicht selten wird man sprichwörtlich innerlich aufgewühlt und durch das Werk geradezu brutal mit seinem eigenen Leben mit allen seinen auch negativen Facetten konfrontiert, um dann wiederum nur wenige Minuten später in einen Zustand der friedvollen Zufriedenheit und einer erlösenden Entspannung zu geraten.

Schubert – Winterreise mit Peter Mattei (Bariton) und Lars David Nilsson (Klavier)

Die Winterreise zu singen und zu spielen erfordert von beiden Musiker:innen eine große Leistungs- und Hingabebereitschaft. Der Part des Klaviers ist dabei keinesfalls geringwertiger einzuschätzen, denn das Klavier ist nicht Begleitung, sondern eine zweite Stimme, die neben dem Text einen eigenen musikalischen und interpretatorischen Inhalt und damit eine wichtige Haupt-, und nicht nur eine Neben-Rolle einnimmt.

Auch nach sehr vielen Aufführungen kann ich die Winterreise nicht nur im Hintergrund hören. Nach nur wenigen Minuten ziehen mich Musik und Text dieses unglaublichen Werkes tief in die zum Teil magischen und dramatischen Stimmungen hinein. Neben „Schwanengesang“ und „Die schöne Müllerin“ eines der drei großen Meisterwerke der Gattung.

Müsste man die Wirkungen der Winterreise auf die Zuhörer:innen in nur einem Satz beschreiben, würde ich sagen, dass man nach dem Erleben nicht mehr der Gleiche ist, wenn man die Winterreise mit allen ihren emotionalen Momenten offen an sich „herangelassen“ hat.

Das gilt sicher auch für die Musiker:innen, denn das Werk kann man nicht einfach nur vortragen. Eine Aufführung der Winterreise ist immer sehr persönlich und verlangt eine völlige Versenkung und vielleicht sogar eine Verschmelzung der eigenen Persönlichkeit mit den Inhalten. 

Schubert – Winterreise mit Peter Mattei (Bariton) und Lars David Nilsson (Klavier)

Es gibt viele Einspielungen der Winterreise und man muss sich die Frage stellen, ob es einer weiteren bedurfte. Die Antwort hier ist ein klares Ja!

Lars David Nilsson am „Grand Piano: Steinway D“, ist ein ebenbürtiger und gleichberechtigter Partner des Sängers. Der u.a. an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm ausgebildete Musiker ist auch Kirchenmusiker, eine zusätzliche musikalische Perspektive, die man hört. Er hat sich seit seiner Jugend mit dem klassischen Liedrepertoire intensiv beschäftigt und hat viele Jahre mit Peter Mattei zusammengearbeitet und gemeinsam mit ihm 2018 eine große Winterreise-Tournee durch Skandinavien absolviert. Sein Spiel ist in der Lage die gesamte Dramatik der Geschichte mit den Mitteln des Klaviers zu erzählen. Er begleitet nicht, er hat eine wichtige Rolle, die dann in der Zusammenführung beider „Stimmen“ das wunderbare Ganze ergeben.

Der Bariton Peter Mattei, ebenfalls in Schweden ausgebildet, gilt als herausragender Sänger und hat mit den besten Orchestern und Dirigenten zusammengearbeitet. Er ist weltweit an den größten Opernhäusern aufgetreten und arbeitete u.a. auch mit den größten Regisseuren unserer Zeit zusammen.

Die beiden Musiker schaffen es, was eine herausragende Aufnahme der Winterreise schaffen muss, aber auch kann. Die Zuhörer:innen praktisch zu fesseln. Wie bei einer Konzentrationsübung, wird man bei jeder nur leicht abflachenden Aufmerksamkeit wie von einer magischen Kraft sofort wieder in die Atmosphäre der Lieder mit allen ihren Farbschattierungen und düsteren Affekten zurück- und hineingezogen. Dieser Aufnahme hört man nicht nur zu, man wird Teil von ihr und interagiert mit seinen eigenen Gefühlen und mit den Tönen und Worten. Eine permanente Selbstreflektion und nicht selten eine Art Achterbahnfahrt der Stimmungen und Gefühle. Und das alles in einem Ausmaß, das einen manches Mal wirklich nervös, unruhig oder für ein paar Sekunden ängstlich werden lässt.

Die Aufnahme kann all das. Ein weiteres Merkmal (nicht so unwichtig, wie es vielleicht erscheinen mag) ist dabei die brillante, detaillierte und warme Aufnahme des schwedischen BIS Labels, die immer dem Werk dient und sich nicht durch eigene Besonderheiten in den Vordergrund zu setzen versucht. Das gilt für die CD, aber insbesondere für die SACD Wiedergabe. Zudem eine sehr räumliche Darstellungsform der beiden Akteure, die sich von anderen Aufnahmen im Markt unterscheidet. Nicht selten wird die Stimme bei der Winterreise sehr direkt aufgezeichnet, was aber meiner Meinung nach dem gewollten Aufführungscharakter nicht so nahekommt, wie es sein sollte. Bei der vorliegenden Aufnahme stimmt die Balance zwischen den beiden Musikern und der zwischen Ihnen und den Zuhörerinnen. Die beiden Künstler stehen in einem sich weit auffächernden Raum vor den Zuhörer:innen und lassen diese an der Dramatik, Verzweiflung und der sich aufdrängenden Emotionalität unmittelbar teilhaben. Es ist wirklich beeindruckend, wie selbstlos und ausdrucksstark beide dem Werk dienen und wie selbstverständlich und virtuos sie es bewältigen.  

In einem abgedunkelten Raum, bei etwas mehr als Zimmerlautstärke, wird diese Aufnahme der Winterreise zu einer eigenen persönlichen Reise, einer tief-emotionale Erfahrung auf dem Weg des Erlebens des eigenen Selbst.

Die erste Aufführung der Winterreise erfolgte durch Schubert selbst. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr krank, geschwächt und wohl auch depressiv und weder als Sänger noch als Pianist wirklich herausragend. Dennoch hätte wohl jeder, der das Werk kennt, dieser Aufführung sehr gerne beigewohnt. Wie stark müssen die Empfindungen und erzeugten Gefühle damals gewesen sein?

Schuberts Winterreise war, ist und wird für immer eines der wichtigsten Kulturgüter der Menschheit sein und bleiben.

Große Kunst, ausgezeichnet aufgeführt und perfekt aufgenommen, die jederzeit in der Lage ist, den Zauber der Winterreise hervorzubringen. Phantastisch!

Als Ergänzung zur CD möchte ich einen Buchtipp aussprechen:

Ian Bostridge: Schuberts Winterreise, Lieder von Liebe und Schmerz, erschienen im Verlag C-H-Beck (2015). Ian Bostridge gilt selbst als einer der besten Liedsänger unserer Zeit und nicht nur aus diesem Grunde ist sein fast 400-seitiges Werk über die Winterreise ein gleich mehrfacher Genuss. Sehr empfehlenswert!

CD: BIS-2444 SACD

Mehr Infos zu Peter Mattei:

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Mattei

Ein Video zur Winterreise der beiden Künstler:

Mehr zum BIS Label:

https://bis.se/

Der deutsche Vertrieb von BIS:

https://classicdisc.de/

Nate Smith veröffentlicht neues Album „Kinfolk 2

Nate Smith veröffentlicht neues Album „Kinfolk 2

Zeitgenössischer, progressiver Jazz:
Nate Smith veröffentlicht neues Album „Kinfolk 2: See the Birds“ am 8.10. auf Edition Records

Der am 14.12.74 im US-Bundesstaat Virginia geborene Jazzer Nate Smith veröffentlicht am 8.10. sein neues Album ”Kinfolk 2: See the Birds” auf Edition Records, TheOrchard / Bertus Musikvertrieb (CD, LP & digital). ”Kinfolk 2” folgt auf Smiths Debüt als Leader ”Kinfolk: Postcards from Everywhere” aus dem Jahr 2017, welches für einen Grammy nominiert war. Neben seiner Solokarriere (hauptsächlich als Drummer in den Bereichen zeitgenössischer und progressiver Jazz) ist der Songwriter und Producer auch als Komponist für Filmmusik tätig. Zudem hat er zahlreiche Alben mit anderen Musikern veröffentlicht. So hat er auch für sein neuestes Werk mit Vernon Reid, Brittany Howard, Kokayi, Joel Ross, Michael Mayo, Stokley, Amma Whatt und Regina Carter zusammengearbeitet.

”Kinfolk 2: See the Birds” beweist Nates Kunstfertigkeit als einen der aufregendsten, dynamischsten und innovativsten Schlagzeuger-Komponisten seiner Generation, der sich mit einer unverkennbaren und markanten Basis im Jazz, zudem in verschiedenen Genres und Stilen auskennt und verschiedenartigste stilistische Elemente zu seinem ganzheitlichen Kunstwerk arrangiert. Inspiration findet der Musiker in seinen von den vielfältigen und eklektischen Künstlern wie Prince, Michael Jackson und Living Colour geprägten Teenager-Jahren. ”Kinfolk 2: See the Birds” ist ein facettenreiches Juwel und wird eines der bedeutendsten Alben des Jazz-Jahres 2021 sein.


Nate bewegt sich aufgrund seines außergewöhnlichen Schlagzeugspiels, seiner Zusammenarbeit mit Brittany Howard und den Fearless Flyers (einem Ableger von Vulfpeck), seiner Arbeit mit den berühmten Produzenten Dave Cobb und Mike Elizando und seines Talents als Komponist/Arrangeur/Produzent in einem einzigartigen Bereich innerhalb der progressiven Welt. Er bringt auch ein „erwachsenes“ R&B-Element in seine Musik ein.

Neu erschienen: „Love, Liberty, Goodwill and Optimism“  mit den „Super Soul Brothers“

Neu erschienen: „Love, Liberty, Goodwill and Optimism“ mit den „Super Soul Brothers“

Das Sextett The Super Soul Brothers spielt charismatischen, kraftvollen Blues/Blues Rock mit französischem Touch.

Ihr Debüt-Album „Shadows & Lights“ erschien am 24. September auf Dixiefrog, Bertus Musikvertrieb. The ultimate music of the soul!

Die Super Soul Brothers sind die Daddies des Riffs, des Shuffle, des Southern Swing und des Backbeats. Allesamt echte ‚Sons of Memphis‘. Sechs erfahrene Interpreten rollen ihren reinen Stax/Atlantic-Stil zu einem tiefgründigen Deep Soul aus, getragen von einer heißen und groovigen Basis, einem V8-klingenden Drumbeat, der eindringlichen Posaune und nicht zuletzt dem charismatischen und kraftvollen Gesang. Mit ihren Zoot-Anzügen, schwarz-weißen Derbys und dunklen Brillen kennen die Super Soul Brothers die bedeutsame Geschichte und alle Tricks des ehrenvollen old-fashioned Soulman-Handwerks

Die Geschichte der Super Soul Brothers beginnt 2016. Vier Musiker, ausgerüstet mit Bass, Drums, Gitarre und einer markanten Gesangsstimme, schleifen über Monate an ihrem eigenen, unverkennbaren Sound, der als Basis für das künftige Werk entstehen soll. 2017 folgen erste Live-Erfahrungen, bevor 2018 die Keyboards und ein Jahr später die Posaune das heute Setup vervollständigen. Die Super Soul Brothers sind geboren, finden zu ihrem klanglichen Gleichgewicht und begeistern auf eigenen Konzerten und Festivals die sich rasch formierende Fanbase. Das Corona-Jahr 2020 nutzen sie als Kreativzeit.

Die Single „Don’t Lockdown Your Heart“ – Out now!


Die Band schreibt und komponiert während des globalen Lockdowns, ihr Debüt-Album „Shadows & Lights“ ist das Resultat. Über diese Kreation entsteht das neue Live-Programm „Soul Revue“, mit dem die Super Soul Brothers im kommenden Jahr die touren werden. Doch bevor die Tourbusse rollen, unterschreiben sie beim renommierten französischen Blues-Label Dixiefrog, auf dem nun am 24.9. die Kreation „Shadows & Lights“ in den Formaten CD und LP das Licht der Welt erblickte.