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Raul de Souza ist gestorben

Zum Tod des brasilianischen Posaunisten Raul de Souza 

Der Protagonist des Disco-Funk-Hits “Sweet Lucy” brachte  im Mai 2021  sein letztes Album „Plenitude“ heraus. Ich habe darüber berichtet.

Der brasilianische Posaunist und Komponist Raul de Souza ist am Sonntag, 13.6., im Alter von 86 Jahren nach längerer Krankheit in Frankreich verstorben. 

Sein letztes Album “PLENITUDE” (PAO, TheOrchard/Bertus Musikvertrieb), aufgenommen 2019 in Deutschland mit Musikern aus vier Generationen (Christophe Schweizer, Posaune / Alex Corrêa, Piano / Glauco Solter, Bass / Matheus Jardim, Drums) ist am 21. Mai 2021  erschienen.

Geboren 1934 in Rio de Janeiro, wuchs der virtuose Posaunist früh in die pulsierende brasilianische Musikwelt hinein und spielte unter vielen anderen mit Sérgio Mendes und Eumir Deodato.  Zusammen mit Airto Moreira und Flora Purim, mit denen er bis heute zusammenarbeitet, gehörte er zum Kreis jener Musiker, die aus der coolen Bossa Nova der 50er Jahre und der Gafieira den heißen Samba Jazz entwickelten. 

Neben einem seinem unverwechselbaren Klang und Spielstil auf der Zugposaune, die er gerne auch im tiefen Register spielte, entwickelte er eine spezielle Ventilposaune, die unter dem Namen “Souzabone” sein Markenzeichen wurde.

1973 zog er auf Einladung von Moreira und Purim nach Los Angeles und beeindruckte den legendären Produzenten Orrin Keepnews derart, dass dieser 1974 Airto das Album “Colors” produzieren ließ, auf welchem Superstars wie Cannonball Adderley, Jack de Johnette oder J.J. Johnson gastierten. 

Es folgten Kollaborationen mit Airto / Herbie Hancock (Album “Identity”), Milton Nascimento, Sonny Rollins, und Jaco Pastorius.  1977 dann der Höhepunkt: das von George Duke produzierte Funkjazz-Album “Sweet Lucy” wurde ein Welthit, und auch “Don’t ask my Neighbors” von 1978 war ein großer Erfolg. Darauf folgten einige turbulente Jahre, und Raul zog zurück nach Brasilien.  Mit dem Album „Antônio Brasileiro” der Bossa-Legende Antonio Carlos Jobim, welches 1996 mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, machte er wieder international auf sich aufmerksam. 

Neben Konzerten mit alten Freunden wie etwa Toninho Horta pflegte der nach wie vor auch kompositorisch aktive Raul de Souza vermehrt die Zusammenarbeit mit jüngeren und hochtalentierten Musikern – eine für beide Seiten gleichermaßen inspirierende Begegnung. Die interkontinentale Besetzung der „Raul de Souza Generations Band“ vereint den in der Schweiz geborenen Posaunisten, Arrangeur und Produzenten CHRISTOPHE SCHWEIZER (*1968), die Klavier-Entdeckung ALEX CORRÊA aus Brasilien (* 1981), den Bassisten GLAUCO SOLTER (*1968), welcher seit zwei Jahrzehnten zu Rauls musikalischer Familie gehört, und das Schlagzeugwunder MATHEUS JARDIM (*1995).

In seinem letzten Lebensjahrzehnt, das er teilweise in Frankreich verbrachte, wuchs er in Brasilien in die Rolle einer lebenden Legende hinein, dessen Lebensleistung von anderen Helden wie Hermeto Pascoal, João Bosco, João Donato ebenso wie von vielen jüngeren Musikern hoch geschätzt wurde. Die “Generations Band” wird die Musik des Albums “Plenitude” mit dem Harmonika-Virtuosen Gabriel Grossi 2021 / 2022 in Europa präsentieren. 

Wir von Hören und Fühlen trauern um ihn. Unsere Gedanken gehen an die Angehörigen dieses wunderbaren Musikers und Menschen!

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