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Thorens TD 124: Laufwerksrevision im Praxistest

von Joachim Bung

Von der Restaurierung zurück: der Thorens TD 124/II aus Großbritannien mit der Miniconic-Kombination von Euphonics

„Eine Restaurierung, die ihren Namen verdient“ – unter dieser Überschrift hatte ich in meinem letzten Beitrag beschrieben, welche Arbeiten eine seriöse Laufwerksüberholung umfasst. Hier geht es um meine Erfahrungen mit meinem von Peter Feldmann revidierten Thorens TD 124/II, den ich zusammen mit der Euphonics Miniconic Abtastkombination in Großbritannien gekauft hatte.

Um es vorwegzunehmen –  ich war über das Arbeitsergebnis des Bad Homburger Technikers schlicht begeistert. Hochlauf innerhalb einer halben Tellerumdrehung – so soll es sein. Rumpeln in Verbindung mit dem Euphonics-Tonarm nicht vernehmbar. Wobei ein etwaiges Rumpeln beim TD 124 stark vom verwendeten Tonarm, dem eingebauten Tonabnehmer und dessen Nadelnachgiebigkeit abhängt. Es gibt da absolut unverträgliche Kombinationen – Stichpunkt Resonanzverhalten – und andere, die überhaupt keinen Ärger machen – das ist eine Frage des Ausprobierens.

Auch das Laufgeräusch des Plattenspielers ist beinahe nicht existent. Allerdings läuft nach meiner Erfahrung selbst ein perfekt überholter 124er akustisch nie ganz so geräuschlos wie ein ebenso perfekt, zum Beispiel von Martin Bastin revidierter Garrard 301 oder 401.Wobei die beiden britischen Laufwerke ihrerseits das Problem haben, dass die magnetische Wirbelstrombremse nicht wie beim TD 124 auf ein entkoppeltes Zwischenrad, sondern direkt auf eine an der Motorachse angebrachte Metallscheibe wirkt, was eine leichte, akustisch nachteilige Flatterbewegung der Scheibe bewirken kann.

Manche Experten setzen deshalb beim Garrard die Bremsscheibe samt Magnet außer Funktion und steuern die Feinregulierung der Tellerdrehzahl über eine kostspielige externe Stromversorgung mit „sauberem Strom“. Was aber wiederum den ärgerlichen Nachteil einer noch geringeren Leuchtkraft des Stroboskops (beim 401) und eines deutlich längeren Anlaufs des Plattentellers hat. Dabei ist gerade der rasche Tellerstart das Qualitätsmerkmal eines gut gewarteten Reibrad-Laufwerks! Nicht mein Ding. Den Stelltrafo von Martin Bastin habe ich wieder verkauft – zumal ich mit meinen Ohren auch keine klangliche Verbesserung mit dem Teil feststellen konnte.

Völlig lautlosen Lauf verhindert beim Thorens TD 124

  • zum einen die zweistufige Untersetzung mit einem zusätzlich sich drehenden und zumindest theoretisch Geräusch produzierenden Zwischenrad
  • zum anderen der kurze Flachriemen, der mit einer für Riemenlaufwerke untypisch hohen Drehzahl zwischen Motor (1350 U/min) und Stufenantriebsrad (700 U/Min) rotiert und dadurch ein leichtes Rauschen erzeugen kann.

Wobei dieses Rauschen stark vom verwendeten Treibriemen abhängt. Hat man da ein gut eingelaufenes, fast unhörbares Exemplar, heißt es „never change an winning team“. Ohne Not sollte man da nie etwas verändern. Peter Feldmann berichtet, dass er sich inzwischen durch lange Versuche und Überlegungen das Know-how erarbeitet, einen TD 121 oder 124 absolut ruhig zu stellen. Der Fachmann hat ermittelt, dass für beste Laufruhe außer der Beschaffenheit des Treibriemens auch die der Oberflächen von Motorpulley und Stufenantriebsrad die entscheidenden Parameter sind.

Nie verändern sollte man auch die Einstellung einer gut funktionierenden Tellerkupplung. Und ein Reibrad nicht austauschen, wenn dieses gut eingefahren ist. Im Gegensatz zu Autoreifen nutzt sich das Gummirad des TD 124, das mit 80 Millimeter einen außergewöhnlich großen Durchmesser besitzt, praktisch nicht ab. Ein Wechsel aus diesem Grund ist deshalb unnötig.

Aufrüstung mit LED-Stroboskop

Wie Peter Feldmann bin auch ich strikt gegen jedwede dubiose oder gar schädliche Modifikationen und illusorische „Verbesserungen“, die dem Original abträglich sind. Einzige Veränderung an dem britischen TD 124/II war der Einbau eines „Keystrobe“: Dabei handelt es sich um eine helle orangefarbene LED-Leuchte, die von einem Frequenzgenerator gespeist wird und welche die funzelige Glimmlampe ersetzt – ein Schwachpunkt des sonst so hervorragenden Schweizers – siehe Vergleichsfotos.

Stroboskopbeleuchtung ohne Keystrobe

Stroboskopbeleuchtung mit Keystrobe

Keystrobe am britischen Thorens TD 124/II – hier etwas übertrieben dargestellt

Wobei es meinem Sparringspartner gelang, das Versorgungskästen elegant unter dem Chassis anzubringen, so dass die technische Veränderung außer dem deutlich helleren Stroboskoplicht optisch nicht auffällt. Das 105 Pfund kostende Keystrobe kann ich jedem Besitzer eines TD 124 als wirkliche Verbesserung empfehlen. (link, s.u.)

Neuer Überteller von Swissonor

Auch erwies sich der Überteller von Swissonor als Ersatz für das verzogene Originalteil als gute Wahl. Als „1b-Exemplar“ hat er einen geringen Höhenschlag, der aber das tadellose Funktionieren der Kupplung nicht beeinträchtigt.

Der o.a. link:

https://keystrobe.co.uk/product/keystrobe-pulser-optibloc-124/

Vielen Dank an Joachim Bung für einen weiteren tollen Bericht!

Übrigens hat er sein (DAS) Standardwerk zu Thorens und weiteren Geräten der 60-70 Jahre um ein weiteres Teil-Werk ergänzt:

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Tel. +49 (0)6084-3764 mail@joachim-bung.de